Tag 18: Sonntag, 28.10.2018

 

Um den Morgen am Meer noch ausgiebig nutzen zu können, beginnen wir den Tag bereits um 7:00 Uhr mit einem entspannten, gemeinsamen Frühstück und dem Ausblick auf den Atlantik. Schließlich küren wir die verbleibenden Stunden im African Village mit einem letzten Pool- und Meerbesuch.

Dabei beobachten wir, wie gegen 8:00 Uhr eine Gruppe von Fischern vom Fischerboot an Land schwimmt und damit beginnt, mit Hilfe eines melodischen taktgebenden Motivationsgesangs ihr Fischnetz einzuholen. Dies ist ein solcher Kraftakt, dass wir spontan mit anpacken. Wir kämpfen zusammen eine halbe Stunde gegen die Natur des Meeres und ziehen insgesamt 200m Seil an Land. Als wir uns gegen 9:30 Uhr verabschieden, da wir auschecken müssen, haben die Fischer schätzungsweise noch zwei Stunden körperlich harte Arbeit in glühender Hitze vor sich. Für uns eine einmalige Erfahrung – für sie ein sich täglich wiederholender Arbeitseinsatz. Tiefe Spuren im Sand kennzeichnen den Körpereinsatz, der hierfür erforderlich ist. Lukas trinkt im Anschluss 2l Wasser.

Gegen 10:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Besichtigung des UNESCO Weltkulturerbes „Elmina Castle“ — einer ehemaligen Sklavenburg.  

 

Elmina Castle wurde 1482 von den Portugiesen erbaut und ist die älteste von Europäern errichtete Sklavenburg Westafrikas. Im Laufe der Geschichte gehörte sie zu dem niederländischen und britischen Kolonialreich. Ursprünglich wurde die Burg für den Warenhandel zwischen Westafrika und Europa erbaut und erst später zur Sklavenburg umstrukturiert. Noch bis zur Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1814 wurden hier ca. 3 Millionen Sklaven aus Ghana, Togo, der Elfenbeinküste und Burkina Faso unter unwürdigen Bedingungen gefangen gehalten. Innerhalb der Festung waren bis zu 600 Männer und 400 Frauen zeitgleich in unterschiedlich großen Kammern inhaftiert. Der einzige Auslass aus der Burg bestand durch die „Door of no return“, das heißt die Sklaven wurden auf Schiffen in die Karibik und nach Nordamerika deportiert.

 

Das Oberhaupt des Castles war der Gouverneur. Dieser suchte sich Frauen als Geliebte aus. Ergab sich daraus eine Schwangerschaft, waren sie „the lucky ones“, da sie in separaten Häusern untergebracht wurden und somit im Land blieben.

Im Vergleich zu den beengten Zellen, in denen beispielsweise bis zu 150 Frauen auf engstem Raum gefangen gehalten wurden, sind die Privaträume des Gouverneurs großzügig. Von seinen Räumen auf der obersten Ebene an der Spitze der Festung blickt er auf die Soldaten und vor allem auf die Gefangenen herab. Heute genießen wir von hier aus einen fantastischen Blick auf den Atlantik. Über die Mauern der Burg hinaus betrachten wir das Treiben des ca. 200 m entfernten Fischerhafens und des daran anschließenden Marktes. Die Fischer kennzeichnen ihre Boote mit internationalen Flaggen, um da eigene bei der Einfahrt in den Hafen schneller erkennen zu können. Die Eindrücke der Vergangenheit trüben unsere Stimmung, doch wie uns der Guide lehrt, sehen wir dies als Mahnmal der Geschichte, die sich nicht wiederholen sollte.

 

Auf unserer Rückfahrt legen wir noch einen Zwischenstopp im „Baobab House“ in Cape Coast ein. Das Baobab House bietet der Schule die Möglichkeit, die hergestellten Produkte zu vertreiben und in ihrem vegetarischen Restaurant ihre Philosophie in einem touristischen Angebot an zentraler Stelle in der Nähe des Cape Coast Castles zu präsentieren. Wir verbinden diesen Zwischenstopp, um uns die Produkte aus Bambus, zahlreiche Textilien, Schmuck und weiteren Gegenstände anzusehen — und auch um uns das ein oder andere Souvenir zu kaufen. Außerdem verarbeiten die Mitarbeiter die angebauten Lebensmittel der Schule im hauseigenem Restaurant weiter, die uns eine Stärkung für die vierstündige Rückfahrt zurück zum WEC bieten.

 

Dort angelangt überrascht uns Grace einmal mehr mit ihrer delikaten Groundnut Soup und Riceballs.

Mit sehr gesättigtem Magen besprechen wir den Ablauf der nächsten und gleichzeitig unserer letzen Woche hier in Ghana.

Wir beenden den Abend mit einem abgewandelten „Pokerspiel“. Anstatt von Pokerchips verwenden wir Kronkorken.

(Verfasst von Tom)

Einholen des Fischernetzes mit gemeinsamen Kräften
Einholen des Fischernetzes mit gemeinsamen Kräften
"Women's dungeon" – Kerker für 400 Frauen
"Women's dungeon" – Kerker für 400 Frauen
Blick auf die Hafeneinfahrt von Elmina
Blick auf die Hafeneinfahrt von Elmina
Ein kleiner Ausschnitt des Warensortiments im Baobab House
Ein kleiner Ausschnitt des Warensortiments im Baobab House


Tag 17: Samstag, 27.10.2018

Der erste Morgen im Hotel, alle bedienen sich am großzügigen Buffet und sehen sichtlich ausgeschlafen aus. Ein besonderes Detail an diesem Morgen, jeder scheint satt zu werden auch ohne „Schoko Delight“ Creme. Nach dem Frühstück geht es direkt in den Bus, der mit Emmanuel unserem Fahrer wohl den ghanaischen „Transporter“ als Fahrer hat. Kenner des Films wissen, was ich meine – es ist eine große Auszeichnung. Immer pünktlich und schnell am Ziel, zwei Fähigkeiten, die bei ihm wohl an erster Stelle stehen. Nach nur einer Stunde (geplant 90 Minuten) Fahrt und einem kurzen Schock über die Umstände rund ums Hotel und den Wohnsituationen, die man in der gepflegten Hotelanlage mit vielen Grünflächen, Kokosnusspalmen und täglich gereinigtem Strand vergisst, sind wir am Ziel, im Kakum National Park. Wir steigen aus dem Bus und direkt bekommt man einen ersten Eindruck vom tropischen Klima des Waldes, doch das ist nicht das einzige Problem. Eine rapide Preissteigerung zum Vorjahr (+ 30%) sorgt dafür, dass Frau Gleim all ihre Verhandlungskünste, aus ihrer blauen Tasche für alles, herauszieht. Leider ohne Erfolg, die Angestellten reden sich geschickt mit einem Rechenfehler in 2017 heraus und wir starten trotzdem mit 30minütiger Verspätung unsere Tour. Unser Guide ist Ben „The Botanist“, der uns freundlich willkommen heißt und eine kurze Ansprache hält, dass man ihn gerne alles fragen kann und er sich besonders gut mit der Pflanzenwelt auskennt. Unsere Tour startet mit einer Steintreppe, die uns 200 Fuß über den Meeresspiegel führt und Ben erzählt uns von den verschiedensten Bäumen im Park, wie dem „Mr and Mrs“ Baum. Die Bäume wachsen direkt beieinander und werden zur Produktion des Fufustampfers, der zur Zubereitung eines ghanaischen Gerichts benutzt wird, benötigt. Außerdem erläutert er uns den Bediwonua Baum (lat. Name canarium schweinfurthii), der für die Herstellung von Parfüm, das zudem Mücken fernhalten soll, verwendet wird.

Er erzählt uns auch, dass die meisten Bäume um die 200 Jahre alt werden und gut 74m hoch sind. Nun geht es durch den dichten Wald zu den sieben 1995 eröffneten Hängebrücken. Alle sind begeistert von der unglaublichen Aussicht, die auch dafür sorgt, dass sich niemand Sorgen um die schwindelerregenden Höhen sowie die wackelnden Brücken macht, die teilweise 40 Meter hoch und insgesamt 350m lang sind. Einige Bilder und Tarzanschreie später geht es weiter zum 45 Minuten „hike“ mit Ben. Uns wird schnell bewusst, dass „The Botanist“ heute alles gibt, um den Ärger vom Anfang vergessen zu machen, er führt uns ausführlich zu allen Attraktionen des Waldes und auch zum Baumhaus. Kurze Zwischenmeldung – das Klima im Inneren des Waldes ist noch um einiges drückender. Es beginnt zu regnen, doch der Regen ist nicht daran schuld, dass wir alle durchnässt sind.

Ben hält immer wieder an, um uns mehr über die unglaubliche Pflanzenvielfalt zu erzählen wie z.B. den „Soft trees“, bei denen es sich um schnell wachsende Bäume handelt, die von Tieren oder anderen Pflanzen bedroht werden und deswegen spezielle Rinden entwickeln, die entweder giftig oder mit Stacheln bestückt sind, um Feinde wie den Waldelephanten abzuwehren. Auch der Watapuo Baum ist sehr beeindruckend - mit seinen roten dicken Blättern liefert er Material zur Dachdeckung. Mein Highlight des Spaziergangs ist aber der „Jungle survivor“ Baum, wie Ben ihn nennt, aus dessen Ästen Wasser kommt und der heilende Kräfte besitzen soll und sogar bei Asthma helfen kann. Aus den gesetzten 45 Minuten wurden schnell 90, doch auch die vergehen wie im Flug. Wir bedanken uns bei Ben für die beste Tour der letzten Jahre wie Madame Gerti berichtet. Nach kleineren Shopping Aktivitäten geht es mit unserem „Transporter“ fix wieder ins African Village und damit auch wieder ab ins Meer und in die Sonne und damit verabschiede ich mich für den heutigen Tag und gebe weiter an Tom für den nächsten Tag. Das war mein letzter Blogeintrag hier aus Ghana, ich hoffe Ihnen gefallen alle unserer Einträge und dass wir noch viel Spannendes berichten werden.

(Verfasst von Tim)

"Ben the Botanist"
"Ben the Botanist"
Intensives Schwimmtraining mit unseren ghanaischen Freunden
Intensives Schwimmtraining mit unseren ghanaischen Freunden


Tag 16: Freitag, 26.10.2018

 

Heute startet unsere dreitägige Exkursion nach Elmina. Michael, Edmond, Philomena und Josephine begleiten uns.

Da sich der Verkehr aufgrund von Schlaglöchern kurz hinter Accra extrem staut, verlängert sich unsere Fahrt von vier auf fünf Stunden. Diese Umstände trüben die Stimmung jedoch nur kurzzeitig, da wir, bevor wir unser Ziel erreichen, noch die „Baobab School for Trade and Traditional Arts“ besuchen. Es handelt sich um ein 16 Acres (Morgen) großes Areal, auf dem eine „integrative“ Schule der „Baobab Children Foundation“ angesiedelt ist. Hier erlernen gesellschaftlich ausgestoßene und/oder behinderte Kinder diverse handwerkliche Fertigkeiten und man unterrichtet sie in Fächern wie Englisch, Mathematik und sogar Entrepreneurship. Ziel der Schule ist es, den Jugendlichen Selbstständigkeit, das Eröffnen eines kleinen Handwerkbetriebes bzw. die Mitarbeit im „Baobab House“ (schuleigener Shop, Restaurant und Gästehaus) zu ermöglichen. Darüber hinaus sind die staatlich anerkannten Zertifikate eine gute Basis für den Zugang zum Arbeitsmarkt oder eine weiterführende Schule mit unter Umständen anschließendem Studium.

25 Lehrer, „Teaching Assistants“, Handwerker und Freiwillige betreuen und unterrichten etwa 100 Schüler. Alle leben, arbeiten und lernen in der Schule. Der Grundgedanke ist simpel und wahrscheinlich deswegen auch so effektiv – Hilfe zur Selbsthilfe. Indem man gewisse berufliche Fertigkeiten und fachliches Wissen an Kinder und Jugendliche vermittelt, werden diese später ein solides Einkommen erhalten und sich um ihre Familien kümmern können. So hilft Bildung im Kampf gegen Armut.

Die Größe der Anlage und auch die Erfolge der Schule beeindrucken uns. Man betreibt eine Pilzzucht, eine Plantage mit ca. 40.000 Ananaspflanzen, zwei Gemüsegärten, einen Garten mit Heilpflanzen und ein Feld mit Maringa, ein Gewürz, welches zum Verfeinern aller denkbaren Speisen aber auch Getränken verwendet wird. Bewässert werden die Felder mithilfe eines eigenen Staudamms; außerdem wird Regenwasser gesammelt. Auf den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden verzichtet man. Die Lebensmittel werden entweder selbst genutzt und in traditionellen Lehmöfen zubereitet, oder man beliefert den eigenen Laden im benachbarten Cape Coast. Somit kommen wir automatisch zu den ökonomischen Gesichtspunkten. Obwohl die Baobab Children Foundation eine gemeinnützige NGO ist und die Gebäude aus Spendengeldern finanziert werden, wird die Schule wie ein Betrieb geführt, der sich selbst finanziert. Die Erzeugnisse werden nämlich mit großem Erfolg verkauft. Wir besichtigen eine Schreinerei, in der Holzmöbel produziert werden. Sie verfügt über eine eigene kleine Sägerei. Nebenan werden derzeit traditionelle Möbelstücke aus Bambus und Cane (eine Savannenpflanze aus den nordöstlichen Regionen Ghanas) gefertigt. Ein großes Hotel in Elmina zählt zu den Abnehmern. Die Jugendlichen produzieren in einer Kente-Weberei Stoffe mit farbenfrohen Mustern und verarbeiten in der Näherei selbst hergestellte Batikstoffe zusammen mit „pure water bags“ zu Taschen unterschiedlicher Größe. Darüber hinaus werden Kinderkleidung, Hosen, Blusen, etc. hergestellt. Innerhalb der Schule findet ein hoher Grad an Wertschöpfung statt. Die Maringablätter werden nach der Ernte in einer solarbetriebenen Anlage getrocknet, pulverisiert und in Säcken verkauft. In einer sehr gut ausgestatteten Lehrküche können die Schüler das Kochen mit modernem Equipment lernen. Wir erfahren, dass jährlich etwa 300 kaputte Fahrräder und Rollstühle aus Deutschland geliefert werden. Die Lehrer vermitteln den Schülern und Mädchen der umliegenden Ortschaften Reparaturanweisungen. Im Anschluss werden ihnen die Räder für den privaten Gebrauch übergeben. Bei weiteren anstehenden Fahrradproblemen können sie sich an Baobab wenden. Die nicht selbst benötigten Rollstühle werden an das Krankenhaus in Cape Coast gespendet.

In einer großzügigen Wohnhütte lernen wir zwei deutsche Studentinnen und einen Abiturienten kennen, der ein freiwilliges soziales Jahr in der Schule verbringt. Dieses Engagement beeindruckt uns.

Der Baobab ist ein Baum der Savanne. Man findet ihn hauptsächlich im Norden Ghanas. So wie er Schatten spendet, so will die Baobab Children Foundation Hoffnung spenden. Und die ist dringend notwendig, angesichts der teilweise verstörenden Einzelschicksale, von denen uns ein Lehrer berichtet. Ein Mädchen wurde beispielsweise aufgrund ihrer Epilepsie 19 Jahre lang in ihrem Zimmer eingesperrt – über den gesamten Zeitraum war sie sozial vollständig isoliert. Ein Auskurieren der resultierenden psychischen Schäden ist wahrscheinlich nicht möglich, aber zumindest wird sie nun betreut und man versucht, sie in Sozialgefüge zu integrieren.

Nachdenklich und dennoch hoffnungsfroh fahren wir zum „African Village“ am Strand. Denn Baobab hilft nicht nur Kindern, sondern ist auch wirtschaftlich eigenständig und damit für die Zukunft gerüstet.

Umgeben von der ungewohnten Geräuschkulisse der am Strand brechenden Wellen des Atlantiks, lassen wir den Tag Revue passieren. Ob der Holztisch, an dem wir sitzen, auch von Baobab ist?

(Verfasst von Patrick)

Kente-Webstühle – In Arbeitspause
Kente-Webstühle – In Arbeitspause
Solartrockner für Meringa – Blogschreiber Patrick macht sich Notizen
Solartrockner für Meringa – Blogschreiber Patrick macht sich Notizen
Leider gerade Pause in der Baobab Schule
Leider gerade Pause in der Baobab Schule
African Village
African Village
Die ghanaischen Schüler dürfen nicht ins Meer, sondern nur in den Pool – Sie sind Nichtschwimmer
Die ghanaischen Schüler dürfen nicht ins Meer, sondern nur in den Pool – Sie sind Nichtschwimmer


Tag 15: Donnerstag, 25.10.2018 

 

Die heutige Exkursion führt uns in den Hafen von Tema. Dieser wurde 1962 gegründet und ist vor Takoradi, der bereits 1928 gegründet wurde, der größte. Um 8:10 Uhr fahren wir mit Schülern der Klassen 8 und 9 in zwei vollgepackten Bussen los. Um 9:00 Uhr erreichen wir das Busdepot im Hafen Temas. Dort empfängt uns Samuel, ein Marketingmitarbeiter und unser heutiger Guide. Während wir 25 Minuten im stickigen Bus warten, besorgt Samuel für alle Schüler Warnwesten. Vor dem Einlass müssen wir zur Eingangskontrolle, dort wird uns mitgeteilt, dass wir Deutschen ohne Reisepass das Gelände nicht betreten dürfen. Diese Bestimmung wurde im Einladungsschreiben an den WEC nicht mitgeteilt. Lediglich das Tragen von geschlossenen Schuhen wurde kommuniziert. Wir weigern uns geschlossen, an der Führung teilzunehmen und warten sitzend auf dem Bordstein auf eine Entscheidung. Nach einigen Telefonaten und Diskussionen kommt es zu einem Treffen mit einem höherrangigen Militärposten, der auf den Fehler der Marketingabteilung hinweist, dass es keine Hinweise zur Notwendigkeit der Reisepässe gegeben habe. Seine Entscheidung lautet: „Let them go.“

Im Hafen Tema unterscheidet man zwei Bereiche: die „Marine Operation“ und „Marine Engineering“ Abteilung. Die Marine Operation ist für ein- und ausfahrende Schiffe zuständig. Ab der Einfahrt in den Hafen übernehmen hafeneigene Lotsen die Schiffe und steuern sie zu den Liegeplätzen. Die Wassertiefe beträgt hier zwischen 8 und 11 Metern. Die Containerliegeplätze befinden sich außerhalb des molengeschützten Hafenbereiches und haben eine Wassertiefe von 16 Metern. Das nächste Serviceangebot ist die Entladung der Ware und die Einlagerung in entsprechenden Lagerhäusern. Der nächste Schritt ist das Handling der Güter, wie bspw. Verzollung und Auslieferung an die Kunden. Der vierte Service umfasst die Versorgung der ankernden Schiffe mit Treibstoff, Nahrungsmitteln und Wasser, sodass diese ihre Weiterfahrt antreten können. Alle Dienstleistungen sind entgeltpflichtig.

Neben Containerschiffen werden Bulkcarrier abgefertigt – heute haben wir die Entladung von Zement beobachten können. Darüber hinaus gibt es den Ro-Ro- (Roll on, Roll off) Umschlag für PKW und sonstige rollende Güter. Außerhalb des Hafenbereichs liegen Schiffe auf offener Reede, die auf die Einfahrt ins Hafenbecken warten. Jährlich legen 1700 Schiffe im Hafenbereich an. Der Import ist mengen- und wertmäßig größer als der Export; es werden insbesondere Mineralien und landwirtschaftliche Güter exportiert. Die ghanaischen Schüler stellen viele Fragen, die alle ausführlich beantwortet werden.

Zurück in der Schule setzen wir unsere Arbeit von gestern fort, komplettieren die Inventurlisten, erneuern die bereits vorhandenen und verblassten Hinweisschilder an den Toiletten, dem Basketballkorb und an den Mülleimern für die „Pure water bags“. Um die Abnutzungsspuren im neu errichteten Kantinenbereich und im frisch gestrichenen Innenbereich der Schule möglichst gering zu halten, hängen wir „Please don`t touch the walls“ Hinweise auf.

Nachmittags bieten Annika und Tom ihren Bastelkurs an, in dem heute erstmals mit Acrylfarben Fingerprint-Bilder erstellt werden. Tim, Lukas und Jannik fahren wieder mit einer Jungengruppe zum Sportprogramm zu Don Bosco. Auf der Hin- und Rückfahrt animieren sie die Schüler, lautstark Lieder zu singen. Dabei wecken sie sämtliche Aufmerksamkeit der anderen Projektteilnehmer auf der Dachterrasse.

Marvin, Fabian und ich spielen mit den Schülern, die in der Schule bleiben, Basketball und eine weitere Schülergruppe backt fünf Kuchen.

 

(Verfasst von Maximillian)

Entladung von Zement
Entladung von Zement


Tag 14: Mittwoch,  24.10.2018

 

Der heutige Tag beginnt mit einem aktiven und sehr fröhlich gestalteten Gottesdienst. Am Ende wird eine "Kollekte" eingesammelt, die der Schule zugutekommt. Dies hat aber eher einen symbolischen Effekt, da zu "hohe" Geldbeträge an den jeweiligen Schüler zurückgegeben werden.

Nach dem Gottesdienst erfahren wir von Frau Gleim, dass die Schüler und Lehrer mehr auf die Sauberkeit auf dem Schulgelände achten, als es die Jahre zuvor der Fall war. Wie jeden Morgen wird der gesamte Schulhof von Schülerinnen gefegt. Zudem werden weiterhin die Trinktüten in dem separaten Mülleimer gesammelt, der durch die Gruppe des letzten Jahres aufgestellt worden ist. Diese Trinktüten und anderer Plastikmüll werden dann an eine Frau übergeben, die alle paar Wochen vorbeikommt, um den Müll abzuholen und ihn zu einem Recyclinghof bringt.

Im Anschluss an den Gottesdienst besorgen Tom und Maxwell die noch fehlenden Kabel für die mitgebrachten Batterien, die uns effexx gespendet hat. Für die zwölf benötigten Kabel sind mehrere Einkäufe notwendig: In der Accra Mall gab es nur vier, in Ashaiman konnten die restlichen nach einer Vorbestellung abgeholt werden. Jetzt ist die Schule mit allen Rechnern und den Servern für den Ernstfall gerüstet.

Unterdessen besuchen Maximilian, Fabian, Patrick und ich den Religionsunterricht von Nancy in der 4. Klasse. In dieser Stunde bespricht Nancy unterschiedliche Familientypen und erläutert deren Autoritäten. Traditionell dominiert in der ghanaischen Familie der Mann, es sei denn, die Frau hat ihr eigenes Einkommen. Familienoberhaupt ist der Älteste, bei seinem Ableben übernimmt die älteste Frau. Bei Abwesenheit überträgt sich die Verantwortung auf das jeweils älteste anwesende Familienmitglied.

In der Kantine herrscht rege Betriebsamkeit, die Kollegen stellen aus von Colgate gestifteten Zahnbürsten, Zahnpastatuben und Zahnputzanleitungen 100 Sets zusammen, die in ausgewählten Klassen verteilt werden, in der Hoffnung, dass sie sich auch in Zukunft um ihre Zähne sorgen werden.

In der anschließenden Englischstunde der 8. Klasse erfahren wir von Emanuel, dass vor einigen Jahren die “Prügelstrafe” durch Lehrer in Ghana abgeschafft worden ist. Die Unterrichtsstunde nutzt Emanuel dazu, um mit Patrick, Jannik, den Schülern und mir darüber zu diskutieren, ob dies die richtige oder falsche Entscheidung gewesen ist.

Unser Lunch auf der Dachterrasse fällt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Ein tropisches Mittagsgewitter flutet die Terrasse innerhalb von wenigen Minuten. Nach ca. 20 Minuten lässt der Regen nach und wir beginnen damit, das Wasser auf der Dachterrasse zu beseitigen. Als wir gerade unser Lunch, das aus gereifter Papaya und Wassermelone besteht, genießen, beginnt ein weiterer heftiger Schauer. Die Naturstraße hinter der Schule verwandelt sich in einen Bachlauf. Einen Vorteil hat das das Ganze: Unsere Terrasse ist geputzt. Diese Aktion stand tatsächlich heute auf Toms Putzplan.

Die letzte Stunde verbringen Maxi, Annika, Fabian, Jannik, Lukas, Tim, Patrick und ich in Brights Politikunterricht. Heutiges Stundenthema sind die Sehenswürdigkeiten in Ghana. Unsere Sehnsuchtsziele sind ein Hotel in einem Elefanten Reservoir, von dem aus man Elefanten beobachten kann und die älteste Moschee Ghanas in Larabanga im Nordwesten des Landes, die aus Bambus gebaut wurde.

Nach dem Abendessen ist eine Fashion-Session angesagt: Wir gehen mit Nancy zu einer Schneiderin und einem Schneider, um uns aus den gestern besorgten Stoffen Kleidungsstücke nähen zu lassen. Damit fördern wir das lokale Handwerk in der unmittelbaren Schulumgebung. Das Schneiderhandwerk ist in Ghana von immenser Bedeutung, da der Großteil der Bevölkerung – darunter auch das Personal der Schule – individuell angefertigte Kleidung aus farbenfrohen Stoffen trägt.

Währenddessen lädt Patrick zum Chess-Club auf die Dachterrasse ein: Hier passen viele an den langen Tisch. Lukas hat gestern zugunsten des Sportangebots bei Don Bosco auf den Ausflug und Stoffeinkauf verzichtet und ist auch heute sportlich aktiv. Aufgrund des Regens müssen sich die Kinder auf dem Schulhof austoben, da die Fläche bei Don Bosco nicht bespielbar ist. Die Tischtennisplatte wird kurzerhand wetterbedingt in der neuen Kantine aufgebaut und hier geht es „rund“, leider auch mit einigen Kratzern an den neu gestrichenen Wänden. Acht Schülerinnen und Schüler versammeln sich in der Küche, um unter Anleitung von Frau Kohlleppel und mithilfe der heute von Lukas und Tim laminierten Rezepte einen Möhrenkuchen zu backen. Gegen 17:00 Uhr werden viele Schüler nach Hause geschickt, da ein weiterer Regenschauer befürchtet wird. Dieser bleibt jedoch aus. 

(Verfasst von Marvin)

Spende von 100 Zahnpflegesets von Colgate
Spende von 100 Zahnpflegesets von Colgate
Erste eigenständige Schaukelaktion der Nursery
Erste eigenständige Schaukelaktion der Nursery


Tag 13: Dienstag, 23.10.2018

 

Unser Tag beginnt wie gewohnt mit der täglichen Morning Assembly. Danach besuchen wir den Unterricht in unterschiedlichen Klassen.

Einige Schüler und ich besuchen den „Social Studies“ Unterricht (eine Art Gesellschaftslehre). Der Lehrer Bright diskutiert das Thema Geld. Dabei zieht er gerne unsere Ansichten aus Deutschland heran. Wir können erfahren, dass es Unterschiede gibt, in Bezug auf die Aufbewahrung des Geldes. Die ghanaischen Kinder bewahren ihr Geld in Hosentaschen oder auch Hemdentaschen auf. Für sie ist es ungewohnt, dass wir unser Geld und sämtliche Karten in einem Portemonnaie aufbewahren. Des Weiteren thematisiert Bright, wie man mit dem Geld umgeht. Der kleinste Schein ist ein GHC, das entspricht bei uns 20 Cent. Dieser Schein hat eine hohe Umschlagshäufigkeit und ist dadurch extrem abgegriffen. Zudem ist es normal, dass Geldscheine als Notizzettel verwendet werden. Bright berichtet, dass die westlichen afrikanischen Staaten (kurz ECOWAS= Economic Community of Western African States) seit zehn Jahren versuchen, eine einheitliche Währung zu schaffen (geplanter Name für die Währung: Eco). Er sagt uns, dass die zuletzt geplante Einführung im Januar 2015 gescheitert war, da nur wenige Staaten in der Lage waren die Kriterien (z.B. Inflationsrate von weniger als 10 Prozent) zu erfüllen. Aktuell wird das Einführungsjahr 2020 angestrebt.

Nach der ersten Unterrichtstunde übergeben wir zwei bis zum Rand mit Spielzeug, Bällen, Memory-Spielen und verschiedenen Puzzles gefüllte Plastikboxen an die Nursery und die beiden Kindergärten. Die Boxen sind staubdicht verschließ-, stapel- und rollbar. Ein Handwerker montiert mitgebrachte Verankerungen vor den Kindergärten, an denen Nestschaukeln sowie weitere Turngeräte bei Bedarf eingehängt werden können. Tim und ich erstellen neue Informationsschilder zum pfleglichen Umgang mit Einrichtungen, die in Räumen bzw. auf dem Schulgrundstück aufgehängt werden sollen.

Direkt nach dem Abendessen bereitet sich Patrick auf den Chess-Club vor, an dem statt zehn angekündigten Schülern 25 teilnehmen. Patrick ist stark gefordert. Für Tim und mich geht es wieder zu „Don Bosco“, wo wir mit einer Mädchengruppe Volleyball und Basketball spielen. Tim trainiert mit den Mädchen Dribbling, Pässe und Würfe auf den Korb. Danach lässt er die Mädchen in vier Teams à fünf Spielerinnen die gelernten Techniken spielend umsetzen. Dabei bringe ich den Mädchen beim Volleyball die verschiedenen Techniken („Baggern, Pritschen und Angaben) bei. Zum Abschluss gibt es ein freies Spiel in beiden Sportarten.  

Die anderen Projektteilnehmer fahren mit Nancy zum Ashaiman Market, um Stoffe und Backzutaten für die nächste Woche zu kaufen. Nancy als Insiderin führt sie zielstrebig zu den besten Ständen des aus Sicht der Schüler sehr gewöhnungsbedürftigen Market. Ohne Nancy wären sie wohl völlig aufgeschmissen.

(Verfasst von Lukas) 

Zahlreiche Softbälle der AOK befinden sich in verschiedenen Kisten für die Kindergärten
Zahlreiche Softbälle der AOK befinden sich in verschiedenen Kisten für die Kindergärten


Tag 12: Montag, 22.10.2018

 

Unser erstes Ziel für den heutigen Tag ist AGIVOC, das Accra Girls' Vocational Institute. Es ist eine reine Mädchenschule, welche 1973 gegründet wurde. Wir fahren mit 22 Schülerinnen und 3 Schülern der Klassen 8 und 9 des WEC dorthin, damit diese erste Ideen zur Berufsorientierung erhalten können. Zudem werden den Angestellten – wie bei all unseren Ausflügen - Fragebögen zu ihrem beruflichen Werdegang und Perspektiven verteilt. Dies wurde vor drei Jahren von Balthasar Wied erstmals praktisch umgesetzt und ist mittlerweile ergänzt worden.

 

Um 9:15 Uhr kommen wir mit dem ersten Bus bei AGIVOC an und werden sehr freundlich empfangen. Während wir auf den zweiten Bus warten, der aufgrund von dichtem Verkehr ca. eine halbe Stunde nach uns abgefahren ist, unterhalten wir uns mit unseren ghanaischen Freunden. So erklären wir ihnen verschiedene Spitznamen von uns und sie lernen zum Beispiel unseren Lukas "Podolski" kennen. Wir erfahren aber auch den Spitznamen von Yvonne, einer Schülerin, die uns schon mal begleitet hat, kennen. Sie wird "Stepvork" genannt, was Königin bedeutet. 

 

Nun zu AGIVOC: Das AGIVOC bietet in vier verschiedenen "Departments" Berufsausbildungsmöglichkeiten an und so teilen wir uns in vier Gruppen auf und jede Gruppe startet in einer anderen Abteilung.

Als erstes sehen wir das Cosmetology Department. In diesem erlernen aktuell 10 Schülerinnen die Grundlagen der Kosmetik, aber auch Friseurtätigkeiten. Hierfür stehen ihnen Modellpuppen zu Übungszwecken zur Verfügung. Im weiteren Ausbildungsschritt können sie ihr theoretisches Wissen an Kundinnen praktisch umsetzen.

 

Im Catering Department erlernen die jungen Frauen die theoretischen Grundlagen zur gesunden Ernährung. Im anschließenden praktischen Bereich werden mit den von den Schülerinnen gekauften Zutaten vorgegebene Gerichte gekocht, die von der Lehrkraft begutachtet und im Anschluss nach Hause genommen werden. Sie arbeiten parallel an zwölf komplett ausgestatteten Lehrküchen. Im vorderen Bereich des Raumes sind ebenso zwölf Tische individuell von den Schülerinnen gedeckt, an denen die Gerichte serviert werden sollen. Die Ausbildung dauert je nach Vorqualifikation der Schülerinnen zwischen zwei und drei Jahren. Beschäftigungsmöglichkeiten bieten sich in Hotels, Kantinen der öffentlichen Verwaltung und im Militär.

 

Das Fashion Department belegt vier Räume. In zwei Räumen werden theoretische Grundlagen des Nähens und Schneiderns unterrichtet. In den anderen Räumen werden gerade Kappen und T-Shirts geschneidert. Zudem liegen von den Schülerinnen erarbeitete Mustermappen mit bereits erlernten Miniatur-Nähmustern, z.B. zu den Themenbereichen „Stichmuster“ oder auch „Ärmel“ aus. Theorie und Praxis werden gleich gewichtet; in der staatlichen Abschlussprüfung steht die Selbstständigkeit der jungen Frauen im Vordergrund. Auch in unmittelbarer Nachbarschaft des WEC hat sich eine Schneiderin selbstständig gemacht und bietet Nähkurse an. Esther hat diese bereits mit Schülern ihres Home Economics Kurses besucht.

 

Das letzte Department, welches uns vorgestellt wird, ist das Electronics Department. Dieses wird von Samsung und GIZ finanziell unterstützt. Hier erwerben die Schülerinnen - unterstützt durch Lernvideos – Programmierkenntnisse, planen und entwickeln Schaltkreise und die Installation von Solarpanels.

 

Zum Abschluss unseres Besuchs betonen Kuffour und die Schulleiterin des AGIVOC die Bedeutung einer praktischen Berufsausbildung für die berufliche Zukunft. In Deutschland sagt man „Handwerk hat goldenen Boden“. Die landesweit anerkannten Zertifikate, die die Berufsausbildung bescheinigen, öffnen den Schülerinnen die Türen in geordnete Beschäftigungsverhältnisse.

 

Um 12 Uhr fahren wir zu Trashy Bags. Dort werden aus den bereits erwähnten Trinkwassertütchen eine Vielzahl neuer Produkte und, wie der Name schon sagt, hauptsächlich Taschen, hergestellt. Neuerdings wird die Außenhaut im Patchwork-Stil mit typisch ghanaischen Mustern genäht, während das Innenleben der Taschen aus dem Plastikmaterial besteht.

 

Seit letztem Jahr sammelt das WEC diesen Plastikmüll. Wir sind von den Taschen sehr beeindruckt, weil sie wirklich sehr stabil sind und auch optisch überzeugen. Die ein oder andere Tasche wird auch von unserer Gruppe erworben.

 

Frau Gleim und Frau Kohlleppel besorgen gemeinsam mit Esther noch fehlende Küchenutensilien für die schulinterne Küche. Die empfohlenen Fachgeschäfte erweisen sich leider als zu teuer, weshalb es danach zur Accra Mall geht, um in den Supermärkten nach preisgünstigeren Alternativen zu schauen. Zudem besorgen Tom und Annika in Begleitung von Kuffour noch fehlende Kabel für die Batterien, die dafür sorgen, dass die Geräte bei einem Stromabfall kontrolliert heruntergefahren werden können.

 

Nach unserem gemeinsamen Abendessen um 15 Uhr gehen wir verschiedene Wege. Patrick, Marvin und Maxi sind heute beim Chess-Club aktiv. Die Verstärkung ist aufgrund der hohen Nachfrage erforderlich. Tim, Fabian und Lukas fahren mit 30 Schülern zu Don Bosco, um Sport zu treiben. Auf der Hinfahrt zu Don Bosco gibt es einen Boxenstopp, bei dem aufgrund der hohen Passagierzahl die Reifen aufgepumpt werden müssen.

 

 

Maxi, Marvin und ich spielen später noch auf dem Schulhof mit den Kindern Basketball und Tom installiert eine weitere Batterie in der Bibliothek.

(Verfasst von Jannik)

Morning Assembly des Kindergartens
Morning Assembly des Kindergartens
Trashy Bags
Trashy Bags


Tag 11: Sonntag, 21.10.2018

 

Heute setzen wir die Arbeit von gestern fort. Wir sind damit nicht allein; auch die meisten Ghanaer arbeiten sonntags nach der Kirche, das heißt ab mittags.

Auch heute haben wir die Tätigkeit des Übersetzens von diversen Spielanleitungen auf der Dachterrasse fortgesetzt.

Währenddessen bringt Frau Gleim unsere Zimmer in einem 3-stündigen Putzmarathon auf Vordermann.

Unter den kritischen Augen des Hobbyhandwerkers Marvin putzen Lukas, Patrick und ich die Küche, schneiden IKEA Schubladenfolien zu und legen damit die verschiedenen Schränke aus. In der Euphorie dieser Tätigkeit nehmen sie sämtliche Schubladen heraus. Sie wieder an die richtigen Stellen zu platzieren, ähnelt einem Puzzlespiel, da die Schränke dem gemauerten Rahmen angepasst werden mussten.

Die Schränke zu reinigen ist schwerer als gedacht, da überall noch Reste des Klebers, welcher der Schreiner verwendet hat, übriggeblieben sind. Frau Kohlleppel und Frau Gleim eilen zur Hilfe und bekommen die Schränke letzten Endes mit Reinigungsbenzin gesäubert.

Des Weiteren wird die im letzten Jahr erstellte Inventurliste mit den mitgebrachten Materialien für die Küche, den Kindergarten und die Verwaltung mit Mengen und Werteingabe (soweit vorhanden) von Annika fortgeschrieben.

Tom ist währenddessen mit der Einrichtung der Laptops, welche von der „Klappert GmbH – Spanende Fertigung“ gespendet wurden, beschäftigt. Er bringt die Laptops auf den neusten Stand und wird sie in der nächsten Woche den Lehrern überreichen. Ein Laptop soll vorrangig für pädagogische Präsentationen im Kindergarten verwendet werden.

Tim baut derweil den mitgebrachten mobilen Basketballkorb auf, der insbesondere für die unteren Klassenstufen gedacht ist. Kuffour hat diesen Korb bereits im Vorfeld entdeckt und ist völlig begeistert. Basketball hat bei den Ghanaern einen hohen Stellenwert und der höhenverstellbare Korb wird sicherlich für viel Freude sorgen. Bevor dieser übergeben werden kann, müssen wir mit Sand noch für die Standfestigkeit des Korbes sorgen.

Nach der erledigten Arbeit treffen wir uns zum Abendessen auf der Dachterrasse. Im Anschluss kaufen Tim und Jannik beim naheliegendem Kiosk Wassertütchen, welche für den morgigen Sportnachmittag bei Don Bosco benötigt werden.

 

Das erfolgreiche Arbeitswochenende endet mit einem entspannten Spaziergang durch die „Straßen“ der Schulumgebung, wo wir von den Menschen immer noch freundlich begrüßt und angesprochen werden. Wir dürfen sogar private Durchgänge nutzen, da wir vor lauter Neugierde den Weg über die offizielle Straße verpasst haben. 

(Verfasst von Fabian)



Tag 10: Samstag, 20.10.2018

 

Heute startet ein zweitägiges Arbeitswochenende innerhalb der Schule mit voller Konzentration auf die vielfältigen Arbeitsaufgaben.

Wie auch im letzten Jahr zeigen wir unsere Malerkünste. Vier Jungs streichen die Wände des Lehrerzimmers hellblau.

Nicht nur die Wände, sondern auch die jeweiligen Decken in Kuffours und Maxwells Büro, sowie die des Lehrerzimmers werden von dem „Haus- und Hofmaler“ und seinem „professionellen“ Team weiß gestrichen.

Tim und Patrick versuchen sich erfolgreich an einer einfachen Formulierung und Übersetzung von Spielanleitungen. Das Schachspiel bereitet beiden kleine Schwierigkeiten, da es viele Figuren zu erklären gibt und einige Regeln zu beachten sind. Doch gemeinsam meistern sie auch dies.

Bei den vielen Spielen, die bereits hier vorhanden sind, wird morgen definitiv weiter übersetzt!

Weiterhin ist ein Elektriker sehr aktiv. Dieser montiert zehn schlagfeste Schiffslampen  in der Vergangenheit wurden an Fassungen hängende Birnen bei intensiven Ballspielen permanent beschädigt. Diese Schiffsleuchten und LED-Birnen wurden dankenswerterweise von Herrn Elter, dem Elektriker unserer Schule, gespendet. 

Maximillian und Fabian dritteln die 80 mitgebrachten Radiergummis, damit sich bei Verlusten der Bestand nicht allzu schnell verringert. Haben Sie schon einmal ein Radiergummi komplett aufgebraucht? Ein kleines Stück reicht auch.

Parallel dazu beschrifte ich alle Boxen für den Storeroom. Trotz eines Beschriftungsgerätes bin ich bis zum Nachmittag beschäftigt, denn am Vormittag mussten alle Begrifflichkeiten in die englische Sprache übersetzt werden. In den Kisten werden immens viele Küchenutensilien und Spielzeuge für die jeweiligen Altersklassen beziehungsweise Kindergärten und Schulklassen verstaut. Diese sind für die Kindergärtnerinnen und Lehrkräfte jederzeit verfügbar.

Unser IT-Spezialist Tom verausgabt sich im ICT-Room, indem er fünf externe Ersatzbatterien installiert. Im Falle eines Stromausfalls wird auf diese Batterien zurückgegriffen, sodass Server und Rechner nicht beschädigt werden und keine Daten verloren gehen. Wir sind effexx sehr dankbar für diese sehr wertvolle Sachspende; besonders in Anbetracht dessen, dass wir heute bereits den 5. Stromausfall innerhalb von einer Woche miterlebt haben.

 

Bereits in den Morgenstunden erscheinen zehn hochmotivierte Schülerinnen, um Kuchen zu backen, den sie im Anschluss zunächst selbst probieren und dann an die arbeitenden Personen auf dem Schulgelände verteilen. Am Ende des Tages werden die bisher verwendeten Kuchenrezepte übersetzt, damit die Lehrkräfte und die Schüler/-innen auch nach unserer Abreise in den Genuss von  Marmor- und Zitronenkuchen kommen. Wir können dies gut nachvollziehen – wir werden täglich von Grace mit köstlichen ghanaischen Mahlzeiten bekocht und haben unsererseits schon mehrfach um die Rezepte gebeten, die sie uns für das Ende unseres Aufenthaltes versprochen hat. Heute Abend gab es z.B. traditionelle Riceballs mit Groundnut Soup. 

(Verfasst von Annika)

Im Hintergrund werden Radiergummis geschnitten, Im Vordergrund die Schachregeln übersetzt
Im Hintergrund werden Radiergummis geschnitten, Im Vordergrund die Schachregeln übersetzt
Lampenmontage und Vorbereitung der Streichaktion
Lampenmontage und Vorbereitung der Streichaktion
Abendstimmung über den Dächern von Ashaiman Lebanon Zone 2
Abendstimmung über den Dächern von Ashaiman Lebanon Zone 2


Tag 9: Freitag, 19.10.2018

 

Nach elfstündiger Nachtruhe startet unser Tag sehr ausgeglichen mit einem gemeinsamen Frühstück um 7:30 Uhr in unserem Gästehaus. Danach fahren wir zum „Cocoa Research Institute of Ghana“ (CRIG) in New Tafo.

 

Das Institut wurde 1938 gegründet und ist mit ca. 1300 Arbeitnehmern das bedeutendste Forschungsinstitut für Kakao in Ghana. Als Hauptziel verfolgt es die Sicherung eines hohen Qualitätsstandards der Kakaobohnen. Denn diese sind sehr anfällig für zahlreiche Krankheiten. Besonders die sogenannten „Mealybugs“ setzen den Pflanzen zu, indem sie die DNA verändern und  somit für das Absterben der Kakaopflanze sorgen. Diese Analysen finden in einem eigenen Forschungsgewächshaus statt.

Um den Anbau bestmöglich zu fördern, stellt das Institut den Kakaobauern kostenlose Jungpflanzen zur Verfügung und berät sie bei ihrer jährlichen Arbeit.

Die wichtigste Aufgabe besteht allerdings in der Forschung und Entwicklung. So wurde eine Hybridpflanze entwickelt, die bereits nach 18 Monaten statt erst im 8. Jahr erntereife Früchte trägt.

 

Bei der Führung über das Gelände des Instituts sehen wir aus nächster Nähe Kakao- und Kaffeepflanzen und erhalten einige zentrale Informationen, zum Beispiel das die Bäume bis zu 70 Jahre alt werden können, eine ertragreiche Ernte jedoch nur bis zu einem Alter von etwa 30 Jahren möglich ist.

Der Verarbeitungsprozess umfasst das Öffnen der Kakaofrucht, das Herausnehmen der einzelnen Bohnen, die Vorbereitung für eine 6-tätige Fermentierung mithilfe von Blättern der Kochbanane und die anschließende Trocknung unter freiem Himmel. Erst dann erhalten die Kakaobohnen ihre braune Farbe. Im Anschluss werden die Bohnen verpackt und nach einer Qualitätskontrolle exportiert. Der geringe Teil der in Ghana produzierten Schokolade enthält einen höheren Kakaobutteranteil, damit diese nicht schmilzt.

 

Nachdem wir Jungs und Annika den unternehmenseigenen Verkaufsladen leergekauft haben, geht es mit dem Bus durch die üppig grün bewaldete und sehr abwechslungsreiche Landschaft zurück nach Aburi zum „Craft Village“.

 

Hier treffen wir auf zahlreiche Händler von Handwerkskunst. Wir verfallen in einen Kaufrausch und die Kapazität des Busses ist durch einige großmaßige Tiere ausgereizt. Auch die Wunschliste von WannaBuy konnten wir bislang größtenteils erfüllen. Nach 1 ½ Stunden stöbern und shoppen geht es nun auf den Heimweg zum WEC.

 

Der Abend ist geprägt von einer großen Waschaktion – 40 Kleidungsstücke schmücken unsere Terrasse – und einem trotz Stromausfalls gemütlichen Beisammensein. Gemeinsam beenden wir den Tag mit einer Spielerunde auf unserer Dachterrasse und essen dabei die köstlichen Kokosnüsse und die Ananas, die wir kurz zuvor am Straßenrand erworben haben.

(Verfasst von Tom)

Lutschen einer Kakaobohne
Lutschen einer Kakaobohne
Forschungsgewächshaus für Krankheiten der Kakaobohne
Forschungsgewächshaus für Krankheiten der Kakaobohne
Knacken der Kakaobohnen mittels Holzkeule
Knacken der Kakaobohnen mittels Holzkeule
Trocknung der Kakaobohne unter freiem Himmel
Trocknung der Kakaobohne unter freiem Himmel
Handwerkskunst in Aburi
Handwerkskunst in Aburi


Tag 8: Donnerstag, 18.10.2018

 

Am gestrigen Abend hatten wir eine sehr interessante Unterhaltung mit Kuffour. Er erklärt uns die Bedeutung der ghanaischen Flagge. Wofür der schwarze Stern im Zentrum der Flagge steht, muss ich wohl nicht näher erläutern. Der rote Streifen symbolisiert den blutigen Pfad bis zur Unabhängigkeit Ghanas. Der goldene Streifen steht für das Gold und all die anderen Bodenschätze. Der grüne Streifen steht für die einzigartige Natur und die Wälder des Landes. Und genau hierum geht es heute.

 

In der Frühe, noch während der Assembly, fährt unser Bus ab. An Bord: Elf Projektteilnehmer, neun davon aufgrund des gestrigen Abends noch müde, und drei strahlende Schüler des WEC – Victoria, Yvonne und Dayan.

 

Heute steht die Flora Ghanas im Mittelpunkt und wir fahren in den Botanical Garden von Aburi. Schon auf dem Weg erhalten wir einmalige Einsichten in die heimische Pflanzenwelt, da wir uns aus der Küstenebene auf einen Gebirgszug von 500m Höhe begeben. Die Strecke bietet wunderschöne Aussichten auf die Küstenebene und auf Wälder entlang des Berghanges. Kaum haben wir den botanischen Garten erreicht, erleben wir theoretisches Wissen aus dem Wirtschaftsgeografieunterricht in der Realität. Die Hitze und auch die tropische Luftfeuchtigkeit machen uns erst sprachlos, als sich die Schiebetüren des klimatisierten Busses öffnen. Der Gesang uns unbekannter Vögel erscheint uns im ersten Moment als sehr schrill. Der Guide erwartet uns bereits. Da der botanische Garten eine Gesamtfläche von etwa 160 Acres einnimmt, konzentrieren wir uns auf einige wenige, besondere Pflanzen. Als erstes sehen wir der „Stranger Ficus Tree“, eine parasitäre Epiphytenart (Ficus elasticoides), die innerhalb von dreißig Jahren seinen Wirtsbaum abtöten kann. Das Besondere an dieser Pflanze ist, dass sie zunächst auf dem Blätterdach des Wirtsbaumes, in diesem Fall eine libanesische Zeder, blüht und dessen pflanzliche Transpiration nutzt, um an Wasser und Nährstoffe zu kommen. Dann wachsen die Wurzeln des Ficus, oder Amane Gyedua, wie die Pflanze auf Twi heißt, langsam in Richtung Boden. Dabei umschlingen die Wurzeln den Baumstamm des Wirts. Erreichen sie den Boden, werden sie immer größer und das Blätterdach des Ficus wächst und überschattet den des Wirts – dieser geht ohne Nährstoffe aus dem Boden und ohne Sonnenlicht ein. Bei diesem Exemplar ist der Wirtsbaum bereits verrottet, nur der Ficus ist noch vorhanden. Dadurch ist der „Baum“ faktisch hohl und wir können zum ersten Mal einen Baum von innen erklimmen. Das ist ein beeindruckendes Exempel für die Grausamkeit der Natur und den unglaublich intensiven Konkurrenzkampf im Regenwald – auch innerhalb der Pflanzenwelt.

Der Guide zeigt uns zudem,  wie der Mensch die tropische Vegetation zu seinem Vorteil nutzen kann. Wir sehen einen Baum namens „Africa Quinine“, dessen Früchte wohl einen Wirkstoff gegen Malaria beinhalten. Er zeigt uns „Curare“, eine hochgiftige Pflanze, deren Saft zum einen als Pfeilgift, zum anderen als Narkosemittel verwendet wird. Außerdem zeigt unser Guide uns, wie man Wasser aus der „Traveller’s Palm“ (zu deutsch: Palme des Reisenden) gewinnt, was uns außerordentlich beeindruckt.

Einen Exkurs zum Thema ghanaische Mentalität gibt es am „Tree of Life“, dem Werk eines Schnitzkünstlers namens Kwame. Es handelt sich um einen bereits abgestorbenen, kleinen Baum, dessen Oberfläche vollständig von Schnitzereien bedeckt ist. Diese bilden Menschen ab, die nach oben streben. Die Spitze des Baumes schmückt ein König. Die Äste des Baumes sind zu Menschen mit fürchterlichen Fratzen geworden, die uns Gänsehaut bereiten. Der König am höchsten Punkt des Baumes hat es geschafft, sich in diesem Leben durchzusetzen. Er ist erfolgreich. Interessanterweise ist hiermit keinerlei materieller Erfolg gemeint. Im Gegenteil, er hat es geschafft, nach seinem eigenen moralischen Kodex zu leben. Er hat Integrität, Würde und Menschlichkeit bewiesen und ist deswegen ganz oben. Die Schnitzereien an den Ästen, die zwar auch in die Höhe, aber auch in die Breite gehen, symbolisieren Versager. Also Menschen, die entweder aufgegeben haben, oder aber allein auf materiellen Erfolg fixiert sind. Das Kunstwerk und dessen Bedeutung beeindrucken uns ungemein.

Die abschließende Botschaft unseres Guides ist nicht weniger tiefsinnig. Wir sehen einen unglaublich hohen Baum ohne Blätterdach. Er verwittert von oben und zahlreiche Epiphyten zieren seinen Stamm. Es handelt sich um einen Baum, der laut unseres Guide vermutlich über 600 Jahre alt ist. Und es ist der erste Baum, den wir sehen, der an Altersschwäche stirbt. Die Message ist kurz und lässt wenig Interpretationsspielraum: „You won`t live forever“.

Beflügelt mit einer neuen „Carpe-Diem-Mentalität“, ziehen wir nach einigen Minuten, in denen wir den Park selbst erkunden, weiter. Es geht zum Perlenmarkt in Koforidua, der nur einmal wöchentlich stattfindet. Hier machen wir uns auf die Suche nach Souveniers und erwerben Bilder, lederne Fächer und – selbstverständlich – auch jede Menge Perlen. Prägend ist vor allem eine Begebenheit, die zwei Projektteilnehmern widerfährt. An einem Stand mit sehr interessanten Glasperlen (es besteht tatsächliches Kaufinteresse und nicht nur Neugierde), lässt der Händler sich nicht ansprechen. Es ist ein Moslem, der gerade seinen Gebetsteppich hervorholt. Er wendet sich uns erst zu, als er sein Mittagsgebet beendet hat. Diese Erfahrung ist einzigartig und wir freuen uns aufrichtig zu sehen, dass für manche Menschen auch etwas über dem Profit steht. Unmittelbar denken wir wieder an den Tree of Life und dessen Botschaft.

 

Der heutige Tag ist wirklich ereignisreich und wir müssen die neuartigen Erfahrungen auf uns wirken lassen. Dies tun wir in einem nahegelegenen Restaurant, in welches wir auch die Schüler und unseren Busfahrer einladen. Der Ausflug ist jedoch noch nicht zu Ende. Wir übernachten in einem kleinen Gästehaus in New Tafo.

(Verfasst von Patrick)

Durchgängiger Hohlraum im Stranger Ficus Tree
Durchgängiger Hohlraum im Stranger Ficus Tree
Kapockbaum – Wir im Wohnzimmer der Ureinwohner
Kapockbaum – Wir im Wohnzimmer der Ureinwohner
Tree of Life – Botanical Garden Aburi
Tree of Life – Botanical Garden Aburi


Tag 7: Mittwoch, 17.10.2018

 

Der Tag beginnt besonders, denn heute ist Patricks Geburtstag. Wie jeden Morgen versammeln sich alle nach und nach gegen 6:30 Uhr am Frühstückstisch. Dann kommt die Überraschung: Frau Gleim und Frau Kohlleppel

haben einen Kuchen mit einem kleinen Geburtstagsfeuerwerk für Patrick vorbereitet. Patrick ist sichtlich erfreut und bedankt sich mehrmals, auch für seine zwei Geschenke. Patrick ist sicherlich einer der Schüler, bei denen man eine Veränderung beobachten kann während unserer Zeit hier. Aus einem eher zurückhaltend wirkenden, wird ein offener und aufgeschlossener Mensch. Doch das ist nicht die letzte Überraschung für heute, nach dem Frühstück geht es zum „Worship“. Bis jetzt wissen wir lediglich, dass es sich um einen wöchentlichen Gottesdienst in der Schule handelt. Alle Schüler nehmen auf dem mit Sitzplätzen vorbereiteten Schulhof Platz und Nancy startet die Zeremonie, wie in der „Mega Church“ beginnt sie den Gottesdienst mit kräftigem Gesang. Jeder Schüler versucht der Lauteste zu sein.

Auf den Gesang folgen einige Gebete, bei denen der Spaß und das Gelächter in ernste Gebete übergehen. Wieder spürt man den hohen Stellenwert der Religion, man findet sie in jeder Alltagssituation wieder. Unter Anleitung von Bright werden von den Schülern vorgeschlagene Lieder, begleitet von den Trommlern der Schule, aus vollem Hals gesungen und zaubern einigen von uns Gänsehaut. Der „Worship“ ist aufgebaut wie ein Kindergottesdienst in Deutschland, in dem Lieder gelehrt und ihnen Religion mit Spaß nahegebracht werden. Nach der eigentlichen Zeremonie beginnt für Patrick die zweite Überraschung des Tages, die Kinder haben mit den Lehrern gemeinsam ein Happy Birthday Banner gebastelt. Patrick wird in die Mitte gebeten und alle singen laut „Happy Birthday“. Plötzlich kommt Richard und kippt ihm einen großen Eimer Wasser über den Kopf, so wie es in Ghana Tradition ist. Selten habe ich ein so breites Grinsen gesehen wie Patrick es während der Überraschung im Gesicht hat. Zum Schluss wünscht Kuffour ihm nochmal persönlich alles Gute und übergibt ihm das Geschenk der Lehrer. Was für ein Morgen für das Geburtstagskind, aber auch für uns, wo sonst hat man so viel Spaß am frühen Morgen?

 

Schnell wird alles abgebaut und zum normalen Unterrichtsalltag übergegangen, für uns beginnt die erste Aufgabe des Tages: das Klettergerüst für den Kindergarten aufzubauen. Lukas, Marvin und ich versuchen diese Aufgabe zu bewältigen. Schnell bemerken wir, dass wir ohne Hobby-Handwerker Marvin aufgeschmissen wären. Nach knapp einer halben Stunde ist es soweit, wir präsentieren das Gerüst den Kindern und uns schauen 30 strahlende Kinderaugen an, mehr Dank ist nicht nötig. Doch ein dauerhafter Standort ist leider noch nicht gefunden. Wir bleiben dran.

 

Nach einer Science Stunde über regenerative Energien und einer „Social Studies“ Stunde ist es Zeit für Lunch. Lukas, Maxi, Jannik, Fabian und ich sind sich einig, eine Stunde „Social Studies“ reicht uns nicht, also besuchen wir noch eine weitere Stunde von Bright, der einen wirklich guten, integrativen Unterricht durchführt, in dem er Parallelen zwischen deutscher und ghanaischer Kultur zieht.

Am Nachmittag fahren Marvin, Fabian und ich wieder zu Don Bosco, doch dieses Mal mit einer Mädchengruppe, die genauso engagiert ist wie die Jungs aber noch technische Anleitung benötigt. Aber hey, genau dafür sind wir hier.

 

Wieder zurück in der Schule geht es direkt mit Bright, Frederik und Kuffour in die nächst gelegenen Bar weiter, um Patricks Geburtstag schwungvoll ausklingen zu lassen. Was für ein Tag für Patrick und die ganze Gruppe. Jeder Tag hat seine Highlights, es wird nie langweilig, morgen geht es wieder auf einen aufregenden Ausflug.

(Verfasst von Tim)

Worship – Gottesdienst während der Assembly
Worship – Gottesdienst während der Assembly


Tag 6: Dienstag, 16.10.2018

 

Der heutige Tag beginnt um 8:30 Uhr mit dem Ausflug zur Accra Compost and Recycling Plant Ltd (ACARP). 50 Personen, darunter 46 Schüler, Bright und Kuffour und unsere Lehrerinnen finden in zwei 15-Sitzer-Bussen Platz.

Um 10 Uhr erreichen wir das Unternehmen und werden von dem „Productionsupervisor“ in einen vollklimatisierten Besucherraum geleitet, in dem wir grundlegende Informationen zur Müllproblematik erhalten. Derzeit kommen pro Tag bis zu 600 Tonnen Müll bei dem 2012 gegründeten Unternehmen an, die zum Teil zu organischem Kompost verarbeitet und dann in Säcken verkauft werden. Der Müll wird gemischt angeliefert und vor Ort in verschiedenen Stufen – meist händisch – sortiert. Plastikmüll wird nach drei verschiedenen Kategorien – minderwertiges Plastik, PET und Hartplastik unterschieden, um die Materialien sortenrein weiterverwenden zu können. Minderwertiges Plastik wird zu Plastiktüten, aus PET Flaschen werden wieder neue Plastikflaschen hergestellt, aus Hartplastik Gegenstände wie bspw. Stühle oder Wasserbehälter.  Bislang gibt es keine Mülltrennung; selbst wenn ein Haushalt diesen trennen sollte, wird er von der Müllabfuhr gemischt abgeholt.

Am Standort Accra sind 200 Arbeiternehmer beschäftigt. Nach einer 15minütigen Präsentation mit anschließender Fragerunde besichtigen wir in Begleitung eines Betriebsmitarbeiters das Gelände. Aus Sicherheitsgründen müssen alle Schüler Warnwesten, Mundschutz und Helme tragen. Während der Besichtigung bekommen wir Einblicke in den Recyclingprozess. Wir sehen sehr viel Müll, doch vor allem riechen wir ihn. Der Mitarbeiter erklärt uns, dass der Kompostierungsprozess im Idealfall 90 Tage in Anspruch nimmt. Bevor wir die Rückfahrt antreten, wird Bright Anschauungsmaterial von verschiedenen Plastiksorten und des Kompostmaterials für den Unterricht an der Schule mitgegeben.

Trotz eines Bananen-Snacks verspüren wir und die ghanaischen Schüler unterwegs Hunger und wir nutzen die Chance, die sich einem in der Umgebung von Accra an Mautstellen und Ampeln bietet: Wir „shoppen“ aus dem Fenster heraus und erwerben circa 30 „Buffloafs“, ein Gebäck, das dem Berliner ähnelt. Die Verkäuferin ist sehr überrascht von dieser großen Bestellung, freut sich jedoch und folgt uns bis hinter die Mautstelle, um uns die Menge auszuhändigen. Dies ist nur möglich, da der Busfahrer unerlaubterweise anhält, bis die Auslieferung erfolgt ist.

 

Nach dem Abendessen teilen wir uns in verschiedene Gruppen auf. Marvin, Patrick und ich treffen uns zum „Chess-Club“ und sind überrascht, wie motiviert die Schüler nach dem langen Schultag sind. Patrick, der uns als sehr zielstrebiger Mitschüler bekannt ist, ist sehr von der Aufnahme- und Umsetzungsfähigkeit der Teilnehmer begeistert. Die Lernerfolge sind so beeindruckend, dass wir dies noch einmal wiederholen müssen.

 

Annika, Tom und Frau Kohlleppel versuchen mit Esther den Backofen zum ersten Mal in Betrieb zu nehmen. Man sieht direkt, dass die Schülerinnen Esthers theoretische Anweisungen praktisch umsetzen können. Der Mixer und andere uns vertraue Geräte sind für sie Neuland, sie können diese dennoch sofort funktionsgerecht benutzen. Leider stellen wir fest, dass sich die von uns mitgebrachten Silikonformen in dem Gasherd nicht einsetzen lassen; wir müssen sie und die nach kürzester Zeit verbrannten Muffins entsorgen. Ob der zweite Versuch mit Metallformen geglückt ist, werden wir morgen an Patricks Geburtstag erfahren.

 

Jannik, Tim, Lukas, Fabian und Augustine (Lehrer am WEC) fahren mit 27 Schülern in einem Trotro zum Sportgelände von Don Bosco. Jeder will mitkommen, sodass der Bus maßlos überfüllt ist. Doch alles Quetschen hilft nicht, 20 müssen wir auf nächste Woche vertrösten. Auf dem Weg zu Don Bosco setzt der Bus auf jeder kleinen Bodenwelle auf. Die Schüler können zwischen Fuß-, Basket- und Volleyball wählen. Man merkt sofort, dass Fuß- und Basketball die beliebtesten Sportarten sind. Auf den Plätzen werden wir von anderen Sportlern gut aufgenommen. Das Spiel beginnt und man erkennt sofort, wie viel Talent in den Schülern steckt, dieses Talent gepaart mit ihrer Energie lässt zwei Stunden wie im Flug vergehen. Für uns sind die Untergründe der Sportplätze gewöhnungsbedürftig, doch dadurch wurde unsere Spielfreude nicht beeinträchtigt. Die Motivation unserer ghanaischen Freude zieht uns mit. 

(Verfasst von Maximillian)

Kuchen backen mit den Schülern
Kuchen backen mit den Schülern
Busabfahrt zu Don Bosco
Busabfahrt zu Don Bosco
Basketballspiel bei Don Bosco
Basketballspiel bei Don Bosco


Tag 5: Montag, 15.10.2018

 

Während wir um 6:30 Uhr frühstücken, hören wir die Kinder an der Schule ankommen. Diese warten spielend und singend auf den Beginn der Morning Assembly um 7:30 Uhr zum Start in die neue Schulwoche.

 

Den heutigen Tag verbringen wir in der Schule und haben die Möglichkeit, den Unterricht zu besuchen und aktiv daran teilzunehmen. Jeder von uns hat sich Stunden herausgesucht, welche er besuchen möchte.

 

Die erste Stunde verbringen Maxi und ich in der zweiten Klasse. Wir besuchen den Englischunterricht. Die Schüler und ihr Lehrer Richard begrüßen uns freundlich, dennoch sind sie eher zurückhaltend. Im Laufe des Unterrichts ändert sich dies allerdings und die Stimmung wird lockerer. Mit meinem Sitznachbarn komme ich schnell ins Gespräch, wir reden über unsere Interessen. Der Unterricht wird dennoch sehr aufmerksam verfolgt und es wird aktiv mitgearbeitet. Kurz vor Ende der Unterrichtsstunde teilt uns Richard mit, dass in Ghana der Wochentag des Geburtstages als Zweitname in den Vornamen integriert wird. Jannik fällt auf, dass bereits in der siebten Klasse Themengebiete behandelt werden, die bei uns im Wirtschaftsgymnasium in der Mittelstufe thematisiert werden. So werden Venn-Diagramme und Schnittmengen bestimmt.

 

Bei unseren Unterrichtsbesuchen in den unterschiedlichen Klassen fällt uns auf, dass die Schüler aufstehen, um ihre Antworten zu formulieren oder sie andere Anregungen haben. Falls sie sich mit der linken Hand melden, werden sie dazu aufgefordert, sich nur mit dem rechten Arm zu melden, da die linke Hand in Ghana als unrein angesehen wird. In den Unterrichtsräumen ist es für uns unangenehm warm und stickig. Maxi und ich besuchen nachmittags die neunte Klasse beim “Social Studies“ Unterricht. Dieser ist vergleichbar mit Politikunterricht bei uns. Lehrer Bright bindet Maxi und mich sehr gut in den Unterricht ein. Die heutige Stunde steht unter dem Thema „Vorteile eines demokratischen Staates“. Bright gestaltet die Stunde so, dass er die ghanaische Demokratie mit der deutschen Demokratie vergleicht. Dazu sollen Maxi und ich ein paar Eindrücke aus der deutschen Politik geben und in welchen Bereichen wir in Deutschland die Vorteile einer demokratischen Regierung sehen.

Den Vormittag über sind Frau Gleim und Frau Kohlleppel damit beschäftigt, die mitgebrachten Koffer (14 große Reisekoffer plus 10 Handgepäcksstücke vom Berufskolleg sowie 4 weitere große Koffer von anderen Unterstützern der Schule) auszupacken, zu inventarisieren und in 30 neu gekaufte staubdichte Plastikkisten zu organisieren. Der Anfang ist gemacht; wir alle werden weitere Tage damit beschäftigt sein.

Nach dem Mittagessen überreichen wir der ,,nursery“ die mitgebrachte Rutsche und eine Wippe. Nach zögerlicher Bewunderung der neuen Spielgeräte beginnen die Kinder, nachdem wir ihnen etwas Abstand geben, ausgelassen mit der Benutzung der Geräte.

 

Im Anschluss an das Abendessen begeben sich Tim und Lukas und unsere Lehrerinnen um 16:00 Uhr zu Don Bosco, um zu klären, ob die Möglichkeit besteht, nach dem Unterricht mit den Schülern dort die Sportanlagen zu benutzen.

Währenddessen beschäftigen sich Jannik und Patrick damit, fünf Schülerinnen und Schülern das Schachspielen im neu gegründeten “Chess-Club” beizubringen. Nach einem achtstündigen Unterrichtstag sind sie erstaunlich aufmerksam, lernfähig und setzen nach einer 15-minütigen Übungsphase Gelerntes in richtige Spielzüge um. Der “Chess-Club” freut sich bereits auf die zweite Schachrunde morgen.  Gleichzeitig bieten Annika und Tom ihren “Creative Arts” Kurs an, in dem heute 4 Teilnehmer die Grundlagen der Farbenlehre erlernen, die sie in den folgenden Tagen in praktischen Übungen umsetzen werden. Maximillian, Fabian und ich spielen mit drei Lehrern und einigen Schülern Basketball. Seit 2013 ist es dank unseres gespendeten Korbes möglich, auf dem Pausenhof Basketball zu spielen. Trotz der kleinen Größe des Hofes finden sportliche Aktivitäten wie Fußball, Tischtennis und Badminton parallel dazu statt. Aufgrund der ungewohnten klimatischen Bedingungen ist es für uns sehr anstrengend. 

(Verfasst von Marvin)



Tag 4: Sonntag, 14.10.2018

 

Unser erstes Ausflugsziel heute: Ein Sonntagsgottesdienst in der „Mega Church“ in der Nähe von Ashaiman.

Nancy holt uns vor dem Tor der Schule ab. Nun beginnt das erste Abenteuer, wir betreten zu zehnt einen Taxibus, der in Deutschland wahrscheinlich nicht mal ein TÜV Zertifikat bekommen hätte. Die Einheimischen nennen diese Busse „Trotro“ und nutzen dieses Verkehrsmittel mit häufig mehr Personen, als es Sitzplätze gibt. Nach einer dreißigminütigen Fahrt über schwer befahrbare Straßen erreichen wir die Kirche.

Die Mega Church kommt einem im Vergleich zu ihrer Umgebung wie ein Palast vor. Am Parkplatz erkennen wir, dass die parkenden Autos im Gegensatz zu den Autos, die wir auf der Straße sehen, nobel sind. Bereits vor der Kirche sind die Leute schick gekleidet, die Frauen mit Kleidern und die Männer mit Anzügen beziehungsweise maßgeschneiderten traditionellen Hemden aus Ghana. Dies bestätigt unseren Eindruck, dass Ghanaer großen Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild legen. Alle versuchen das Beste aus ihrer Kleidung rauszuholen. Wir warten ungefähr zehn Minuten, bevor wir die Kirche betreten können, da ein Gottesdienst in einer der Landessprachen, Twi, noch andauert. Daraufhin begleitet Nancy uns in die Kirche und wir nehmen Platz. Das Gotteshaus ist für ghanaische Verhältnisse modern ausgestattet mit zwei Fernsehern und einem Beamer, mit dem Liedtexte und Psalmen projiziert werden. Man erkennt und spürt sofort, dass Klassenunterschiede hier verschwinden, alle sind gleich, alle wollen Gott nahe sein.

 

Der auf Englisch gehaltene Gottesdienst wird von etwa 400 Gläubigen besucht und startet mit einem energievollen Gesang eines Vorsängers, der von einer Band begleitet wird. Ungefähr eine halbe Stunde lang wird ohne Pause euphorisch gesungen, ausgelassen getanzt und gelacht. Dabei fällt uns auf, dass der Gottesdienst kein Vergleich zu einem deutschen darstellt, da das Mitsingen der Lieder mit Freude zelebriert wird. Die Ausgelassenheit der ghanaischen Menschen ist besonders und beeindruckend zu erleben. Danach begrüßt der Pastor unsere Gruppe explizit in seinem Gottesdienst und die Personen in der Nähe unserer Sitzreihen nehmen uns herzlich in die Gemeinde auf. Er fragt, weshalb wir in Ghana sind und weiß auch direkt, dass wir aus Deutschland kommen. Die nächsten zwei Stunden lauschen wir den Worten des Pastors, in denen er uns lobend für unser Engagement erwähnt.

 

Anschließend fahren wir mit einem ,,Trotro‘‘ für insgesamt dreißig Cedis zurück zur Schule (umgerechnet 5,80 Euro für zwölf Personen und 30 Minuten). Wieder in der Schule angekommen, sind wir hungrig und sofort gibt es „Lunch“ und eine Stunde später „Dinner“.

 

Kurz darauf starten wir mit Kuffour zu einer Erkundung der unmittelbaren Gegend. Die ausgefahrenen Straßen sind naturbelassen und mit tiefen Kratern durchsät, die mit Regenwasser gefüllt sind. Die Menschen leben in kleinen Blechhütten, die sie selbst aufgebaut haben. Dabei sehen wir die extrem einfachen Lebensverhältnisse der Bewohner des Viertels, die uns mit einem Lächeln begrüßen und uns zuwinken. Wir erreichen den nahegelegenen Damm, den der erste Präsident Ghanas erbauen ließ. Kuffour erzählt uns, dass der Damm zur Bewässerung der umliegenden Farmen errichtet wurde. Auf diesen werden Mais, Zwiebeln, Reis und einige weitere Gemüsesorten angebaut.

Mittlerweile wird das Wasser des Damms leider stark zweckentfremdet: Die Menschen waschen ihre Autos, Tiere und baden sogar noch selbst in diesem Gewässer.

Des Weiteren zeigt uns Kuffour eine staatliche Fischzucht, die auch vom Damm versorgt wird. Die unterschiedlich großen Fische werden täglich fangfrisch am Fischmarkt in Tema verkauft.

Auf dem Rückweg der Wanderung fällt uns auf, dass diverser internationaler Elektroschrott am Straßenrand steht. Dies macht uns betroffen.

Am Abend planen wir im Detail unsere Aktivitäten für die Schule in der kommenden Woche.

(Verfasst von Lukas)

 



Tag 3: Samstag, 13.10.2018

 

Die Nacht von Freitag auf Samstag ist deutlich erholsamer als die letzte, weil wir wegen des anstrengenden Vortages früher zu Bett gegangen sind und somit mehr Schlaf bekommen haben. Der Morgen ist aufgrund des starken Niederschlags am Vortag verhangen; es nieselt leicht. Später am Tag reißt die Wolkendecke jedoch auf, sodass wir den restlichen Tag über strahlenden Sonnenschein haben.

 

Nach dem Frühstück fahren wir mit zwei vom Schulleiter ausgewählten Schülerinnen und einem Schüler der Klasse 9 zur Accra Mall, um notwendige Dinge im Supermarkt für die Schule zu besorgen. Die Accra Mall ist verglichen mit der City-Galerie in Siegen kleiner mit nur einem Stockwerk und 42 Geschäften bzw. Restaurants und Cafés. Die Ausstattung und das Ambiente sind vergleichbar mit europäischen Einkaufscentern. Das Preisniveau ist im Vergleich zu den Läden in der Umgebung der Schule gehoben.

 

Der nächste Halt ist der Botanical Garden der Universität Accra. Dort führt uns Bright, ein Kollege des WEC, der uns den ganzen Tag über begleitet, herum. Die Bäume in diesem Garten sind im Vergleich zu den deutschen Bäumen riesig. Trotz ihrer Größe haben diese Bäume weit ausgeprägte flache Wurzeln, die an der Oberfläche gut zu erkennen sind und zum Teil Stolperfallen darstellen.

Der Garten trotzt nur von exotischen Pflanzen und grünen Flächen. Diese Flächen werden samstags von Familien und Schulgruppen genutzt. Andere Bereiche stehen zur wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung. Da die Sonne inzwischen „brennt“, sind die Kaltgetränke nach der Führung erfrischend.

 

 

Unser nächster Stopp ist das Masazi Shopping Center, ein „Craftsmarket“, auf dem Kunsthandwerke, ghanaische Kleidung und Bilder verkauft werden.  Dort begrüßen uns alle Händler freundlich bzw. fast schon aufdringlich und wir kaufen das ein oder andere Souvenir. Mohamed Gungu, ein dort stets anzutreffender Musiker, bringt Fabian und Patrick die Handhabung eines aus zwei miteinander verbundenen Rasseln bestehenden Instruments, Bakita genannt, bei. Der Markt liegt unmittelbar an der Küste. Von hier aus haben wir einen weiten Blick auf den Atlantik. Als wir näherkommen und den 10 Meter tiefer liegenden Strand erreichen, fallen uns große Müllberge aus Plastikflaschen und Reifen auf, welche teilweise in Flammen stehen. Rinder, Ziegen, Hühner und Hunde laufen frei herum. Diese massive Umweltverschmutzung soweit das Auge reicht schockiert uns sehr. Gleichzeitig zieht eine Gruppe von Menschen ein Fischernetz an Land, einige Kinder spielen am und baden im Meer. Mit diesen kontrastreichen Eindrücken begeben wir uns betroffen und betrübt auf den Heimweg. Auf unserer Fahrt nach Hause passieren wir einige interessante Gebäude. So sehen wir den pompösen Sitz des ghanaischen Präsidenten, während sich auf der anderen Straßenseite die einfachen und abgewohnten Wohnkomplexe der Polizisten und deren Familien befinden.

 

Das Abendessen verzehren wir gemeinsam mit unseren ghanaischen Freunden, die den Tag mit uns verbringen. Dabei kommen wir in informative Gespräche über berufliche Vorstellungen – die drei möchten gerne Medizin studieren. Nach Aussage von Bright gibt es in ganz Ghana jedoch lediglich knapp 1000 Studienplätze für Medizin, obwohl viele Ortschaften ohne ärztliche Versorgung auskommen müssen. Alternative Studienplätze bieten sich in China, Kasachstan und der Ukraine an. Eine realistische Alternative?

Nachdem sich unsere neuen Freunde verabschieden, begeben sich drei Schüler daran, ihre Wäsche zu waschen. Dabei verwenden sie auf 4 Liter Wasser mindestens 500 Gramm Ariel Handwaschmittel. Solche Schaumberge werden sie nicht ein zweites Mal verursachen.

Im Anschluss bietet Kuffour eine kleine Runde um den Block an. Wir enden in einer Bar, in der in unseren Ohren exotisch klingende ghanaische Musik gespielt wird. Zusammen mit Kuffour genießen wir in der Bar ein paar Getränke und tauschen uns über unsere Interessen aus. So finden wir zum Beispiel heraus, dass er Bayern- und Chelseafan ist und sowohl die Bundesliga als auch die Premier League verfolgt.

(Verfasst von Jannik)

Elsie, Mark und Melody in unserer Mitte
Elsie, Mark und Melody in unserer Mitte


Tag 2: Freitag, 12.10.2018

 

Unsere Quartieraufteilung: 4 Personen schlafen auf der Dachterrasse und 7 in 5 verschiedenen Räumen - welch ein Luxus! Demzufolge werden alle in unterschiedlicher Lautstärke um 5:30 Uhr vom Imam einer umliegenden Moschee geweckt.

 

Das von Grace zubereitete schmackhafte Frühstück besteht aus Omelette mit frischem Gemüse  und „gelbem“ Toastbrot (gebacken mit Maismehl). Um 7:30 Uhr startet das offizielle Programm: Die Schüler begrüßen uns mit der Morning Assembly  einem christlichen Gesang, der ghanaischen Nationalhymne und dem obligatorischen Morgengebet. Alle Augen sind auf uns, die Obroni (die Weißen), gerichtet. Anschließend marschieren die Schüler zu Trommelmusik in den Unterricht. Danach besichtigen wir die Schule, werden den Kindern der „nursery“, der beiden Kindergartengruppen und nochmals den Schülern von Klasse 1 bis Klasse 9 vorgestellt. Darüber hinaus geht der Rundgang in die Bibliothek, den IT-Raum, das Büro des Schulleiters und das karge Lehrerzimmer. Zudem besichtigen wir die seit einem Monat fertig gestellten Räume der Werkstatt und der Schulküche. Der Werkstattraum ist inzwischen mit den mitgebrachten Materialien aus dem letzten Jahr ausgestattet. Die Küche wurde mit Möbeln, einem großen Herd sowie einem Kühlschrank mit Tiefkühlfach eingerichtet. Zudem befinden sich zwischen diesen Räumlichkeiten neue Toiletten, welche sich noch als sehr nützlich erweisen, da beide Toiletten in unserem Wohntrakt ausgefallen sind und wir den restlichen Tag über etwas weitere Wege in Kauf nehmen müssen.

 

Nach einer kurzen Besprechung auf der Dachterrasse, bei der wir über den weiteren Verlauf des Aufenthaltes mit von Kuffour und Bright geplanten Betriebsbesichtigungen und Ausflügen informiert werden, geht es in die Schulpause, die mit Basketball, Badminton, Fußball und vielen weiteren Sportaktivitäten auf dem kleinen Schulhof zum endgültigen Eisbrecher zwischen uns und den ghanaischen Schülern wird. Wir knüpfen neue Freundschaften und sammeln vielfältige Eindrücke einer anderen Lebenskultur. Die ghanaischen Schüler sind sehr kontaktfreudig und verspüren keinerlei Berührungsängste.

 

Um 12:00 Uhr gibt unsere Mittagspause die Möglichkeit zum Verschnaufen. Traditionell gibt es frisches Obst  Papaya und Ananas  und kühle Getränke. Anschließend haben wir die Möglichkeit, kurz aktiv an dem Unterricht der Klassen teilzunehmen, denn da Freitag ist, endet der Unterricht bereits um 14:00 Uhr. Bis zu unserem „Abendessen“ um 15:00 Uhr bleibt uns noch ein wenig Zeit für gemeinsame Aktivitäten. Während wir uns auf der Dachterrasse zum Abendessen versammeln, erleben wir unseren ersten tropischen Regen. Unser Treffen mit der Belegschaft der Schule verzögert sich aufgrund dessen. Bei solch einem Regen besteht keine Möglichkeit, trockenen Fußes von einem in den anderen Raum zu gelangen.

 

In einer geselligen Runde stellen wir uns nochmals persönlich vor. Es werden uns frisch gepflückte und vor Ort aufgeschlagene Kokosnüsse sowie die für Ghana typischen Tigernuts und dem daraus hergestellten Brei, der mit Kondensmilch verdünnt wird, serviert. Danach ist die Terrasse von Kokosnussresten übersät. Gemeinsam säubern wir dieses „Schlachtfeld“ und putzen und trocknen die Terrasse, die aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit sonst nicht trocknen wird.

Es ist Eile geboten: Die Sonne geht schlagartig unter und die Kollegen gehen ins wohlverdiente Wochenende. Für uns ist es Zeit, die lange Kleidung anzuziehen und Mückenspray aufzutragen.

Den Abend lassen wir gemeinsam mit Kuffour gemütlich auf der Terrasse mit Kartenspielen und Gesprächen ausklingen.

(Verfasst von Fabian) 



Tag 1: Donnerstag, 11.10.2018

 

Wow! Es ist unglaublich, dass die Vorbereitungszeit wie im Flug verging. Heute ist es endlich so weit. Unsere bereits lang ersehnte Reise nach Ghana startet. In diesem Jahr berichten acht Schüler, eine Schülerin und zwei Lehrkräfte.

Wie schon im letzten Jahr starten wir am Parkplatz Hasbacher Höhe an der A4. Pünktlich sind alle eingetroffen und wir realisieren, in einigen Stunden schlafen wir unter den Moskitonetzen.  Vorab noch ein paar Informationen zu unserer Vorbereitung:

 

Mit den gesammelten Sachspenden vieler Unternehmen und den für die geplanten Bastel- und Schachprojekte gekauften Materialien haben wir insgesamt 24 Koffer und 11 Handgepäckstücke gefüllt. Auch dieses Mal erhalten wir einen Kleinbus für unseren Koffertransport vom Kreis-Siegen-Wittgenstein gestellt. Leider kann unser Hausmeister Ralf Hoffmann uns heute nicht fahren, deshalb fährt jemand aus dem Fahrdiens des Kreises unsere Koffer und Lukas zum Düsseldorfer Flughafen.

 

Der Flug nach Amsterdam beginnt mit einer einstündigen Verspätung. Dennoch erreichen wir pünktlich zum Boarding das Gate zum sechsstündigen Anschlussflug nach Accra.

Die Zeit vertreiben wir uns mit Musik, aktuellen Filmen, leckerem Essen, einer Mütze Schlaf und diversen Gesprächen. Nach planmäßiger Landung in Accra sind wir über die moderne Einrichtung des Flughafens überrascht. Letztlich erfahren wir, dass der Terminal vor drei Wochen eröffnet wurde. Trotz kurzer Wege und begleitender Livemusik ist es ein Kraftakt mit einer Vielzahl von Gepäckwagen die Koffer zusammenzustellen. Nachdem wir die misstrauischen Zollbeamtinnen mit unserem sozialen Projekt überzeugen können, sehen wir Koffour, den Schulleiter des Wilhelm Educational Complexes und etliche Lehrer winken. Sie empfangen uns sehr herzlich und übernehmen die Steuerung der Gepäckwagen. Unsere 30-minütige Fahrt findet mit einem angemieteten Bus für unsere Koffer und dem Schulbus statt. Die ersten Eindrücke: ein um 22 Uhr noch dichter Verkehr, ein gewöhnungsbedürftiger Fahrstil und ein sehr warmes tropisches Klima begleitet von Wetterleuchten am Horizont.

Nachdem wir unser Gepäck in der Schule drei Etagen nach oben getragen haben, wartet auf uns ein kleiner Mitternachtssnack. Die von Grace zubereiteten Spring-Rolls sind köstlich und der Apfel Cidre (Savanna) löscht unseren Durst. Der Schulleiter heißt uns nochmals herzlich willkommen und vermittelt den Eindruck einer innigen Freundschaft. Nach dem Essen beginnt die Auswahl und der Aufbau unserer Schlafplätze. Moskitozelte werden mit Luftmatratzen und Schlafsäcken hergerichtet. Mittlerweile ist es in Deutschland 2:30 Uhr und wir fallen um 0:30 Uhr ghanaischer Zeit in unsere „Betten“. Wir sind alle sehr motiviert und gespannt auf die Eindrücke der ersten Tage.

 (Verfasst von Annika)

Schlafzelt - Im Hintergrund ist unser Wassertank zu erkennen
Schlafzelt - Im Hintergrund ist unser Wassertank zu erkennen