Tag 6: 16. Oktober 2018

 

Der heutige Tag beginnt um 8:30 Uhr mit dem Ausflug zur Accra Compost and Recycling Plant Ltd (ACARP). 50 Personen, darunter 46 Schüler, Bright und Kuffour und unsere Lehrerinnen finden in zwei 15-Sitzer-Bussen Platz.

Um 10 Uhr erreichen wir das Unternehmen und werden von dem „Productionsupervisor“ in einen vollklimatisierten Besucherraum geleitet, in dem wir grundlegende Informationen zur Müllproblematik erhalten. Derzeit kommen pro Tag bis zu 600 Tonnen Müll bei dem 2012 gegründeten Unternehmen an, die zum Teil zu organischem Kompost verarbeitet und dann in Säcken verkauft werden. Der Müll wird gemischt angeliefert und vor Ort in verschiedenen Stufen – meist händisch – sortiert. Plastikmüll wird nach drei verschiedenen Kategorien – minderwertiges Plastik, PET und Hartplastik unterschieden, um die Materialien sortenrein weiterverwenden zu können. Minderwertiges Plastik wird zu Plastiktüten, aus PET Flaschen werden wieder neue Plastikflaschen hergestellt, aus Hartplastik Gegenstände wie bspw. Stühle oder Wasserbehälter.  Bislang gibt es keine Mülltrennung; selbst wenn ein Haushalt diesen trennen sollte, wird er von der Müllabfuhr gemischt abgeholt.

Am Standort Accra sind 200 Arbeiternehmer beschäftigt. Nach einer 15minütigen Präsentation mit anschließender Fragerunde besichtigen wir in Begleitung eines Betriebsmitarbeiters das Gelände. Aus Sicherheitsgründen müssen alle Schüler Warnwesten, Mundschutz und Helme tragen. Während der Besichtigung bekommen wir Einblicke in den Recyclingprozess. Wir sehen sehr viel Müll, doch vor allem riechen wir ihn. Der Mitarbeiter erklärt uns, dass der Kompostierungsprozess im Idealfall 90 Tage in Anspruch nimmt. Bevor wir die Rückfahrt antreten, wird Bright Anschauungsmaterial von verschiedenen Plastiksorten und des Kompostmaterials für den Unterricht an der Schule mitgegeben.

Trotz eines kurzen Bananen-Snacks noch vor Ort verspüren wir und die ghanaischen Schüler unterwegs Hunger und wir nutzen die Chance, die sich einem in der Umgebung von Accra an Mautstellen und Ampeln bietet: Wir „shoppen“ aus dem Fenster heraus und erwerben circa 30 „Buffloafs“, ein Gebäck, das dem Berliner ähnelt. Die Verkäuferin ist sehr überrascht von dieser großen Bestellung, freut sich jedoch und folgt uns bis hinter die Mautstelle, um uns die, von uns bereits bezahlte Menge, auszuhändigen. Dies ist nur möglich, da der Busfahrer unerlaubterweise anhält, bis dass die Auslieferung erfolgt.

 

Nach dem Abendessen teilen wir uns in verschiedene Gruppen auf. Marvin, Patrick und ich treffen uns zum „Chess-Club“ und sind überrascht, wie motiviert die Schüler nach dem langen Schultag sind. Patrick, der uns als sehr zielstrebiger Mitschüler bekannt ist, ist sehr von der Aufnahme- und Umsetzungsfähigkeit der Teilnehmer begeistert. Die Lernerfolge sind so beeindruckend, dass wir dies noch einmal wiederholen müssen.

 

Annika, Tom und Frau Kohlleppel versuchen mit Esther den Backofen zum ersten Mal in Betrieb zu nehmen. Man sieht direkt, dass die Schülerinnen Esthers theoretische Anweisungen praktisch umsetzen können. Der Mixer und andere uns vertraue Geräte sind für sie Neuland, sie können diese dennoch sofort funktionsgerecht benutzen. Leider stellen wir fest, dass sich die von uns mitgebrachten Silikonformen in dem Gasherd nicht einsetzen lassen; wir müssen sie und die nach kürzester Zeit verbrannten Muffins entsorgen. Ob der zweite Versuch mit Metallformen geglückt ist, werden wir morgen an Patricks Geburtstag erfahren.

 

 

Jannik, Tim, Lukas, Fabian und Augustine (Lehrer am WEC) fahren mit 27 Schülern in einem Trotro zum Sportgelände von Don Bosco. Jeder will mitkommen, sodass der Bus maßlos überfüllt ist. Doch alles Quetschen hilft nicht, 20 müssen wir auf nächste Woche vertrösten. Auf dem Weg zu Don Bosco setzt der Bus auf jeder kleinen Bodenwelle auf. Die Schüler können zwischen Fuß-, Basket- und Volleyball wählen. Man merkt sofort, dass Fuß- und Basketball die beliebtesten Sportarten sind. Auf den Plätzen werden wir von anderen Sportlern gut aufgenommen. Das Spiel beginnt und man erkennt sofort, wie viel Talent in den Schülern steckt, dieses Talent gepaart mit ihrer Energie lässt zwei Stunden wie im Flug vergehen. Für uns sind die Untergründe der Sportplätze gewöhnungsbedürftig, doch dadurch wurde unsere Spielfreude nicht beeinträchtigt. Die Motivation unserer ghanaischen Freude zieht uns mit. 

(Verfasst von Maximillian)



Tag 5: Montag, 15.10.2018

 

Während wir um 6:30 Uhr frühstücken, hören wir die Kinder an der Schule ankommen. Diese warten spielend und singend auf den Beginn der Morning Assembly um 7:30 Uhr zum Start in die neue Schulwoche.

 

Den heutigen Tag verbringen wir in der Schule und haben die Möglichkeit, den Unterricht zu besuchen und aktiv daran teilzunehmen. Jeder von uns hat sich Stunden herausgesucht, welche er besuchen möchte.

 

Die erste Stunde verbringen Maxi und ich in der zweiten Klasse. Wir besuchen den Englischunterricht. Die Schüler und ihr Lehrer Richard begrüßen uns freundlich, dennoch sind sie eher zurückhaltend. Im Laufe des Unterrichts ändert sich dies allerdings und die Stimmung wird lockerer. Mit meinem Sitznachbarn komme ich schnell ins Gespräch, wir reden über unsere Interessen. Der Unterricht wird dennoch sehr aufmerksam verfolgt und es wird aktiv mitgearbeitet. Kurz vor Ende der Unterrichtsstunde teilt uns Richard mit, dass in Ghana der Wochentag des Geburtstages als Zweitname in den Vornamen integriert wird. Jannik fällt auf, dass bereits in der siebten Klasse Themengebiete behandelt werden, die bei uns im Wirtschaftsgymnasium in der Mittelstufe thematisiert werden. So werden Venn-Diagramme und Schnittmengen bestimmt.

 

Bei unseren Unterrichtsbesuchen in den unterschiedlichen Klassen fällt uns auf, dass die Schüler aufstehen, um ihre Antworten zu formulieren oder sie andere Anregungen haben. Falls sie sich mit der linken Hand melden, werden sie dazu aufgefordert, sich nur mit dem rechten Arm zu melden, da die linke Hand in Ghana als unrein angesehen wird. In den Unterrichtsräumen ist es für uns unangenehm warm und stickig. Maxi und ich besuchen nachmittags die neunte Klasse beim “Social Studies“ Unterricht. Dieser ist vergleichbar mit Politikunterricht bei uns. Lehrer Bright bindet Maxi und mich sehr gut in den Unterricht ein. Die heutige Stunde steht unter dem Thema „Vorteile eines demokratischen Staates“. Bright gestaltet die Stunde so, dass er die ghanaische Demokratie mit der deutschen Demokratie vergleicht. Dazu sollen Maxi und ich ein paar Eindrücke aus der deutschen Politik geben und in welchen Bereichen wir in Deutschland die Vorteile einer demokratischen Regierung sehen.

Den Vormittag über sind Frau Gleim und Frau Kohlleppel damit beschäftigt, die mitgebrachten Koffer (14 große Reisekoffer plus 10 Handgepäcksstücke vom Berufskolleg sowie 4 weitere große Koffer von anderen Unterstützern der Schule) auszupacken, zu inventarisieren und in 30 neu gekaufte staubdichte Plastikkisten zu organisieren. Der Anfang ist gemacht; wir alle werden weitere Tage damit beschäftigt sein.

Nach dem Mittagessen überreichen wir der ,,nursery“ die mitgebrachte Rutsche und eine Wippe. Nach zögerlicher Bewunderung der neuen Spielgeräte beginnen die Kinder, nachdem wir ihnen etwas Abstand geben, ausgelassen mit der Benutzung der Geräte.

 

Im Anschluss an das Abendessen begeben sich Tim und Lukas und unsere Lehrerinnen um 16:00 Uhr zu Don Bosco, um zu klären, ob die Möglichkeit besteht, nach dem Unterricht mit den Schülern dort die Sportanlagen zu benutzen.

Währenddessen beschäftigen sich Jannik und Patrick damit, fünf Schülerinnen und Schülern das Schachspielen im neu gegründeten “Chess-Club” beizubringen. Nach einem achtstündigen Unterrichtstag sind sie erstaunlich aufmerksam, lernfähig und setzen nach einer 15-minütigen Übungsphase Gelerntes in richtige Spielzüge um. Der “Chess-Club” freut sich bereits auf die zweite Schachrunde morgen.  Gleichzeitig bieten Annika und Tom ihren “Creative Arts” Kurs an, in dem heute 4 Teilnehmer die Grundlagen der Farbenlehre erlernen, die sie in den folgenden Tagen in praktischen Übungen umsetzen werden. Maximillian, Fabian und ich spielen mit drei Lehrern und einigen Schülern Basketball. Seit 2013 ist es dank unseres gespendeten Korbes möglich, auf dem Pausenhof Basketball zu spielen. Trotz der kleinen Größe des Hofes finden sportliche Aktivitäten wie Fußball, Tischtennis und Badminton parallel dazu statt. Aufgrund der ungewohnten klimatischen Bedingungen ist es für uns sehr anstrengend. 

(Verfasst von Marvin)



Tag 4: Sonntag, 14.10.2018

 

Unser erstes Ausflugsziel heute: Ein Sonntagsgottesdienst in der „Mega Church“ in der Nähe von Ashaiman.

Nancy holt uns vor dem Tor der Schule ab. Nun beginnt das erste Abenteuer, wir betreten zu zehnt einen Taxibus, der in Deutschland wahrscheinlich nicht mal ein TÜV Zertifikat bekommen hätte. Die Einheimischen nennen diese Busse „Trotro“ und nutzen dieses Verkehrsmittel mit häufig mehr Personen, als es Sitzplätze gibt. Nach einer dreißigminütigen Fahrt über schwer befahrbare Straßen erreichen wir die Kirche.

Die Mega Church kommt einem im Vergleich zu ihrer Umgebung wie ein Palast vor. Am Parkplatz erkennen wir, dass die parkenden Autos im Gegensatz zu den Autos, die wir auf der Straße sehen, nobel sind. Bereits vor der Kirche sind die Leute schick gekleidet, die Frauen mit Kleidern und die Männer mit Anzügen beziehungsweise maßgeschneiderten traditionellen Hemden aus Ghana. Dies bestätigt unseren Eindruck, dass Ghanaer großen Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild legen. Alle versuchen das Beste aus ihrer Kleidung rauszuholen. Wir warten ungefähr zehn Minuten, bevor wir die Kirche betreten können, da ein Gottesdienst in einer der Landessprachen, Twi, noch andauert. Daraufhin begleitet Nancy uns in die Kirche und wir nehmen Platz. Das Gotteshaus ist für ghanaische Verhältnisse modern ausgestattet mit zwei Fernsehern und einem Beamer, mit dem Liedtexte und Psalmen projiziert werden. Man erkennt und spürt sofort, dass Klassenunterschiede hier verschwinden, alle sind gleich, alle wollen Gott nahe sein.

 

Der auf Englisch gehaltene Gottesdienst wird von etwa 400 Gläubigen besucht und startet mit einem energievollen Gesang eines Vorsängers, der von einer Band begleitet wird. Ungefähr eine halbe Stunde lang wird ohne Pause euphorisch gesungen, ausgelassen getanzt und gelacht. Dabei fällt uns auf, dass der Gottesdienst kein Vergleich zu einem deutschen darstellt, da das Mitsingen der Lieder mit Freude zelebriert wird. Die Ausgelassenheit der ghanaischen Menschen ist besonders und beeindruckend zu erleben. Danach begrüßt der Pastor unsere Gruppe explizit in seinem Gottesdienst und die Personen in der Nähe unserer Sitzreihen nehmen uns herzlich in die Gemeinde auf. Er fragt, weshalb wir in Ghana sind und weiß auch direkt, dass wir aus Deutschland kommen. Die nächsten zwei Stunden lauschen wir den Worten des Pastors, in denen er uns lobend für unser Engagement erwähnt.

 

Anschließend fahren wir mit einem ,,Trotro‘‘ für insgesamt dreißig Cedis zurück zur Schule (umgerechnet 5,80 Euro für zwölf Personen und 30 Minuten). Wieder in der Schule angekommen, sind wir hungrig und sofort gibt es „Lunch“ und eine Stunde später „Dinner“.

 

Kurz darauf starten wir mit Kuffour zu einer Erkundung der unmittelbaren Gegend. Die ausgefahrenen Straßen sind naturbelassen und mit tiefen Kratern durchsät, die mit Regenwasser gefüllt sind. Die Menschen leben in kleinen Blechhütten, die sie selbst aufgebaut haben. Dabei sehen wir die extrem einfachen Lebensverhältnisse der Bewohner des Viertels, die uns mit einem Lächeln begrüßen und uns zuwinken. Wir erreichen den nahegelegenen Damm, den der erste Präsident Ghanas erbauen ließ. Kuffour erzählt uns, dass der Damm zur Bewässerung der umliegenden Farmen errichtet wurde. Auf diesen werden Mais, Zwiebeln, Reis und einige weitere Gemüsesorten angebaut.

Mittlerweile wird das Wasser des Damms leider stark zweckentfremdet: Die Menschen waschen ihre Autos, Tiere und baden sogar noch selbst in diesem Gewässer.

Des Weiteren zeigt uns Kuffour eine staatliche Fischzucht, die auch vom Damm versorgt wird. Die unterschiedlich großen Fische werden täglich fangfrisch am Fischmarkt in Tema verkauft.

Auf dem Rückweg der Wanderung fällt uns auf, dass diverser internationaler Elektroschrott am Straßenrand steht. Dies macht uns betroffen.

Am Abend planen wir im Detail unsere Aktivitäten für die Schule in der kommenden Woche.

(Verfasst von Lukas)

 



Tag 3: Samstag, 13.10.2018

 

Die Nacht von Freitag auf Samstag ist deutlich erholsamer als die letzte, weil wir wegen des anstrengenden Vortages früher zu Bett gegangen sind und somit mehr Schlaf bekommen haben. Der Morgen ist aufgrund des starken Niederschlags am Vortag verhangen; es nieselt leicht. Später am Tag reißt die Wolkendecke jedoch auf, sodass wir den restlichen Tag über strahlenden Sonnenschein haben.

 

Nach dem Frühstück fahren wir mit zwei vom Schulleiter ausgewählten Schülerinnen und einem Schüler der Klasse 9 zur Accra Mall, um notwendige Dinge im Supermarkt für die Schule zu besorgen. Die Accra Mall ist verglichen mit der City-Galerie in Siegen kleiner mit nur einem Stockwerk und 42 Geschäften bzw. Restaurants und Cafés. Die Ausstattung und das Ambiente sind vergleichbar mit europäischen Einkaufscentern. Das Preisniveau ist im Vergleich zu den Läden in der Umgebung der Schule gehoben.

 

Der nächste Halt ist der Botanical Garden der Universität Accra. Dort führt uns Bright, ein Kollege des WEC, der uns den ganzen Tag über begleitet, herum. Die Bäume in diesem Garten sind im Vergleich zu den deutschen Bäumen riesig. Trotz ihrer Größe haben diese Bäume weit ausgeprägte flache Wurzeln, die an der Oberfläche gut zu erkennen sind und zum Teil Stolperfallen darstellen.

Der Garten trotzt nur von exotischen Pflanzen und grünen Flächen. Diese Flächen werden samstags von Familien und Schulgruppen genutzt. Andere Bereiche stehen zur wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung. Da die Sonne inzwischen „brennt“, sind die Kaltgetränke nach der Führung erfrischend.

 

 

Unser nächster Stopp ist das Masazi Shopping Center, ein „Craftsmarket“, auf dem Kunsthandwerke, ghanaische Kleidung und Bilder verkauft werden.  Dort begrüßen uns alle Händler freundlich bzw. fast schon aufdringlich und wir kaufen das ein oder andere Souvenir. Mohamed Gungu, ein dort stets anzutreffender Musiker, bringt Fabian und Patrick die Handhabung eines aus zwei miteinander verbundenen Rasseln bestehenden Instruments, Bakita genannt, bei. Der Markt liegt unmittelbar an der Küste. Von hier aus haben wir einen weiten Blick auf den Atlantik. Als wir näherkommen und den 10 Meter tiefer liegenden Strand erreichen, fallen uns große Müllberge aus Plastikflaschen und Reifen auf, welche teilweise in Flammen stehen. Rinder, Ziegen, Hühner und Hunde laufen frei herum. Diese massive Umweltverschmutzung soweit das Auge reicht schockiert uns sehr. Gleichzeitig zieht eine Gruppe von Menschen ein Fischernetz an Land, einige Kinder spielen am und baden im Meer. Mit diesen kontrastreichen Eindrücken begeben wir uns betroffen und betrübt auf den Heimweg. Auf unserer Fahrt nach Hause passieren wir einige interessante Gebäude. So sehen wir den pompösen Sitz des ghanaischen Präsidenten, während sich auf der anderen Straßenseite die einfachen und abgewohnten Wohnkomplexe der Polizisten und deren Familien befinden.

 

Das Abendessen verzehren wir gemeinsam mit unseren ghanaischen Freunden, die den Tag mit uns verbringen. Dabei kommen wir in informative Gespräche über berufliche Vorstellungen – die drei möchten gerne Medizin studieren. Nach Aussage von Bright gibt es in ganz Ghana jedoch lediglich knapp 1000 Studienplätze für Medizin, obwohl viele Ortschaften ohne ärztliche Versorgung auskommen müssen. Alternative Studienplätze bieten sich in China, Kasachstan und der Ukraine an. Eine realistische Alternative?

Nachdem sich unsere neuen Freunde verabschieden, begeben sich drei Schüler daran, ihre Wäsche zu waschen. Dabei verwenden sie auf 4 Liter Wasser mindestens 500 Gramm Ariel Handwaschmittel. Solche Schaumberge werden sie nicht ein zweites Mal verursachen.

Im Anschluss bietet Kuffour eine kleine Runde um den Block an. Wir enden in einer Bar, in der in unseren Ohren exotisch klingende ghanaische Musik gespielt wird. Zusammen mit Kuffour genießen wir in der Bar ein paar Getränke und tauschen uns über unsere Interessen aus. So finden wir zum Beispiel heraus, dass er Bayern- und Chelseafan ist und sowohl die Bundesliga als auch die Premier League verfolgt.

(Verfasst von Jannik)

Elsie, Mark und Melody in unserer Mitte
Elsie, Mark und Melody in unserer Mitte


Tag 2: Freitag, 12.10.2018

 

Unsere Quartieraufteilung: 4 Personen schlafen auf der Dachterrasse und 7 in 5 verschiedenen Räumen - welch ein Luxus! Demzufolge werden alle in unterschiedlicher Lautstärke um 5:30 Uhr vom Imam einer umliegenden Moschee geweckt.

 

Das von Grace zubereitete schmackhafte Frühstück besteht aus Omelette mit frischem Gemüse  und „gelbem“ Toastbrot (gebacken mit Maismehl). Um 7:30 Uhr startet das offizielle Programm: Die Schüler begrüßen uns mit der Morning Assembly  einem christlichen Gesang, der ghanaischen Nationalhymne und dem obligatorischen Morgengebet. Alle Augen sind auf uns, die Obroni (die Weißen), gerichtet. Anschließend marschieren die Schüler zu Trommelmusik in den Unterricht. Danach besichtigen wir die Schule, werden den Kindern der „nursery“, der beiden Kindergartengruppen und nochmals den Schülern von Klasse 1 bis Klasse 9 vorgestellt. Darüber hinaus geht der Rundgang in die Bibliothek, den IT-Raum, das Büro des Schulleiters und das karge Lehrerzimmer. Zudem besichtigen wir die seit einem Monat fertig gestellten Räume der Werkstatt und der Schulküche. Der Werkstattraum ist inzwischen mit den mitgebrachten Materialien aus dem letzten Jahr ausgestattet. Die Küche wurde mit Möbeln, einem großen Herd sowie einem Kühlschrank mit Tiefkühlfach eingerichtet. Zudem befinden sich zwischen diesen Räumlichkeiten neue Toiletten, welche sich noch als sehr nützlich erweisen, da beide Toiletten in unserem Wohntrakt ausgefallen sind und wir den restlichen Tag über etwas weitere Wege in Kauf nehmen müssen.

 

Nach einer kurzen Besprechung auf der Dachterrasse, bei der wir über den weiteren Verlauf des Aufenthaltes mit von Kuffour und Bright geplanten Betriebsbesichtigungen und Ausflügen informiert werden, geht es in die Schulpause, die mit Basketball, Badminton, Fußball und vielen weiteren Sportaktivitäten auf dem kleinen Schulhof zum endgültigen Eisbrecher zwischen uns und den ghanaischen Schülern wird. Wir knüpfen neue Freundschaften und sammeln vielfältige Eindrücke einer anderen Lebenskultur. Die ghanaischen Schüler sind sehr kontaktfreudig und verspüren keinerlei Berührungsängste.

 

Um 12:00 Uhr gibt unsere Mittagspause die Möglichkeit zum Verschnaufen. Traditionell gibt es frisches Obst  Papaya und Ananas  und kühle Getränke. Anschließend haben wir die Möglichkeit, kurz aktiv an dem Unterricht der Klassen teilzunehmen, denn da Freitag ist, endet der Unterricht bereits um 14:00 Uhr. Bis zu unserem „Abendessen“ um 15:00 Uhr bleibt uns noch ein wenig Zeit für gemeinsame Aktivitäten. Während wir uns auf der Dachterrasse zum Abendessen versammeln, erleben wir unseren ersten tropischen Regen. Unser Treffen mit der Belegschaft der Schule verzögert sich aufgrund dessen. Bei solch einem Regen besteht keine Möglichkeit, trockenen Fußes von einem in den anderen Raum zu gelangen.

 

In einer geselligen Runde stellen wir uns nochmals persönlich vor. Es werden uns frisch gepflückte und vor Ort aufgeschlagene Kokosnüsse sowie die für Ghana typischen Tigernuts und dem daraus hergestellten Brei, der mit Kondensmilch verdünnt wird, serviert. Danach ist die Terrasse von Kokosnussresten übersät. Gemeinsam säubern wir dieses „Schlachtfeld“ und putzen und trocknen die Terrasse, die aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit sonst nicht trocknen wird.

Es ist Eile geboten: Die Sonne geht schlagartig unter und die Kollegen gehen ins wohlverdiente Wochenende. Für uns ist es Zeit, die lange Kleidung anzuziehen und Mückenspray aufzutragen.

Den Abend lassen wir gemeinsam mit Kuffour gemütlich auf der Terrasse mit Kartenspielen und Gesprächen ausklingen.

(Verfasst von Fabian) 



Tag 1: Donnerstag, 11.10.2018

 

Wow! Es ist unglaublich, dass die Vorbereitungszeit wie im Flug verging. Heute ist es endlich so weit. Unsere bereits lang ersehnte Reise nach Ghana startet. In diesem Jahr berichten acht Schüler, eine Schülerin und zwei Lehrkräfte.

Wie schon im letzten Jahr starten wir am Parkplatz Hasbacher Höhe an der A4. Pünktlich sind alle eingetroffen und wir realisieren, in einigen Stunden schlafen wir unter den Moskitonetzen.  Vorab noch ein paar Informationen zu unserer Vorbereitung:

 

Mit den gesammelten Sachspenden vieler Unternehmen und den für die geplanten Bastel- und Schachprojekte gekauften Materialien haben wir insgesamt 24 Koffer und 11 Handgepäckstücke gefüllt. Auch dieses Mal erhalten wir einen Kleinbus für unseren Koffertransport vom Kreis-Siegen-Wittgenstein gestellt. Leider kann unser Hausmeister Ralf Hoffmann uns heute nicht fahren, deshalb fährt jemand aus dem Fahrdiens des Kreises unsere Koffer und Lukas zum Düsseldorfer Flughafen.

 

Der Flug nach Amsterdam beginnt mit einer einstündigen Verspätung. Dennoch erreichen wir pünktlich zum Boarding das Gate zum sechsstündigen Anschlussflug nach Accra.

Die Zeit vertreiben wir uns mit Musik, aktuellen Filmen, leckerem Essen, einer Mütze Schlaf und diversen Gesprächen. Nach planmäßiger Landung in Accra sind wir über die moderne Einrichtung des Flughafens überrascht. Letztlich erfahren wir, dass der Terminal vor drei Wochen eröffnet wurde. Trotz kurzer Wege und begleitender Livemusik ist es ein Kraftakt mit einer Vielzahl von Gepäckwagen die Koffer zusammenzustellen. Nachdem wir die misstrauischen Zollbeamtinnen mit unserem sozialen Projekt überzeugen können, sehen wir Koffour, den Schulleiter des Wilhelm Educational Complexes und etliche Lehrer winken. Sie empfangen uns sehr herzlich und übernehmen die Steuerung der Gepäckwagen. Unsere 30-minütige Fahrt findet mit einem angemieteten Bus für unsere Koffer und dem Schulbus statt. Die ersten Eindrücke: ein um 22 Uhr noch dichter Verkehr, ein gewöhnungsbedürftiger Fahrstil und ein sehr warmes tropisches Klima begleitet von Wetterleuchten am Horizont.

Nachdem wir unser Gepäck in der Schule drei Etagen nach oben getragen haben, wartet auf uns ein kleiner Mitternachtssnack. Die von Grace zubereiteten Spring-Rolls sind köstlich und der Apfel Cidre (Savanna) löscht unseren Durst. Der Schulleiter heißt uns nochmals herzlich willkommen und vermittelt den Eindruck einer innigen Freundschaft. Nach dem Essen beginnt die Auswahl und der Aufbau unserer Schlafplätze. Moskitozelte werden mit Luftmatratzen und Schlafsäcken hergerichtet. Mittlerweile ist es in Deutschland 2:30 Uhr und wir fallen um 0:30 Uhr ghanaischer Zeit in unsere „Betten“. Wir sind alle sehr motiviert und gespannt auf die Eindrücke der ersten Tage.

 (Verfasst von Annika)

Schlafzelt - Im Hintergrund ist unser Wassertank zu erkennen
Schlafzelt - Im Hintergrund ist unser Wassertank zu erkennen